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Nach London!

Der Modernisierungsprozess Englands in der literarischen Inszenierung von Georg Christoph Lichtenberg, Heinrich Heine und Theodor Fontane

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Robert Radu

England war im 18. und 19. Jahrhundert mehr als nur ein Königreich am Rande Europas: Es war das Land der «Industriellen Revolution», fortschrittlich im Technischen, vorbildlich im Politischen, mit einer Weltmetropole zur Hauptstadt. Für viele deutsche Intellektuelle verkörperte es daher nicht nur ein «Anderes», sondern die Zukunft der Moderne überhaupt. Diese Arbeit geht der Frage nach, wie die Englandreisenden Lichtenberg, Heine und Fontane die Umbrüche am Beginn der europäischen Moderne sprachlich inszenieren und reflektieren. Sie zeichnet dabei vor allem auch den nach der Französischen Revolution einsetzenden kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Wandel nach von einem anglophilen Fortschrittsoptimismus hin zu einer Kritik des englischen Weges in die Moderne und seiner, vor allem sozialen, Unkosten.

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I. EINFÜHRUNG 9

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9 I. EINFÜHRUNG 1. Gegenstand der Untersuchung und Begriffsklärung Wenn es Orte gibt, an denen sich die Zeichen der eigenen, erhofften oder be- fürchteten Zukunft besonders deutlich ablesen lassen, dann dürften im 18. und 19. Jahrhundert nicht wenige Deutsche einen solchen Ort in England erblickt haben. Für London, der größten Stadt der damaligen Welt, gilt dies in ganz be- sonderem Maße. In der „wirtschaftlich-technischen Weltmetropole des 19. Jahrhunderts“1 zeigten sich so früh und so eindringlich wie nirgendwo sonst in Europa jene tiefgreifenden Veränderungsprozesse, die später das Leben des ge- samten europäischen Kontinents umwälzen sollten und aus denen die Welt hervorging, in der wir heute leben. Das Königreich am Rande Europas war die „globale Leitgesellschaft“ des 19. Jahrhunderts.2 Hier nahm mit einem komplexen technischen Wandel, aus dem die maschinelle Nutzbarmachung der Dampfkraft besonders hervorsticht, in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Industrialisierung ihren Anfang.3 Sie gab der Wa- renproduktion eine grundlegend neue Gestalt, schuf aus der Manufaktur die moderne Fabrik, in der die Maschine zunächst nur an die Seite, dann schließlich an die Stelle des Menschen trat. Die Industrialisierung wurde getragen und ver- stetigt von gehäuften technischen Innovationen, von einer Expansion der Absatzmärkte auf dem Kontinent wie in Übersee; ein rasches Bevölkerungs- wachstum, das Arbeit verbilligte, beschleunigte den Wandel überdies.4 Mit der industriellen Produktionsweise setzte sich endgültig eine marktorientierte wirt- schaftliche Ordnung durch, die auf der Investition von Kapital beruhte und...

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