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Die Entdeckung der Landschaft in der italienischen Literatur an der Schwelle zur Moderne

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Birgit Ulmer

Wann beginnt in der italienischen Narrativik die Darstellung einer ästhetischen Erfahrung von Natur als Landschaft? Zunächst gilt es, den Begriff der literarischen Landschaft zu umreißen, der nur auf den ersten Blick unproblematisch erscheint. In der Analyse zentraler Texte der Renaissance und des Barock erweist sich die rhetorische Tradition als dominierendes Element der Darstellung von Natur. Die Entwicklungen des 18. Jahrhunderts führen schließlich zu Foscolos Briefroman Ultime lettere di Jacopo Ortis, der im Zentrum der Untersuchung steht. Er ist als Schwellentext zu charakterisieren und verweist in einigen Elementen der Naturdarstellung auf moderne ästhetische Konzeptionen. Diese werden in einem perspektivischen Ausblick auf nachromantische Landschaften weiterverfolgt.

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4. An der Schwelle zur Moderne – Subjektivität und Selbstreflexivität 113

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113 "Das Ich geht gleichsam in die Natur hinein, um sich selbst zu finden."331 4. An der Schwelle zur Moderne – Subjektivität und Selbstreflexivität 4.1 Der neue Landschaftsbegriff des 18. Jahrhunderts und die Rolle des Erhabenen Das gesamte 18. Jahrhundert ist in Europa geprägt von einschneidenden geistes- geschichtlichen Veränderungen, die zur Jahrhundertwende hin kulminieren: "Nun spricht einiges für die Existenz eines epochalen Einschnitts gegen Ende des 18. Jahrhunderts, zumal wenn man die Ergebnisse von Forschern verschie- dener Fachrichtungen und methodischer Observanz zum Vergleich heran- zieht."332 Auch hinsichtlich des Literaturbetriebs stellt das Jahrhundert eine Epo- che des Übergangs dar, in der die Verhältnisse komplexer werden: "Als wich- tigste Merkmale […] sind zu nennen: die Professionalisierung der Rolle des Au- tors, die finanzkapitalistische Organisation des Buchmarktes, die Zunahme der Rezipientenschaft und der Wandel ihres Rezeptionsverhaltens sowie die Entste- hung der Literaturkritik."333 Die Aufklärung als gesamteuropäische Entwick- lung, die sich nicht auf philosophische Diskurse beschränkt, sondern sich auch in der Literatur der verschiedenen Länder vergleichbar (wenn auch zeitlich mehr oder weniger versetzt) manifestiert, ist mithin eine Epoche des regen kulturellen und wissenschaftlichen Austauschs. Die "epochale Entdeckung, dass das Sub- jekt der Moderne subjektiv ist"334, verdankt ihre Etablierung in der Geistesge- schichte im Europa des 18. Jahrhunderts beispielsweise nicht unwesentlich der 331 Wanning, B.: "Statt Nicht-Ich – Du! Die Umwendung der Fichteschen Wissenschafts- lehre ins Dialogische durch Novalis (Friedrich von Hardenberg)." In: Schrader, W. H. (Hrsg.): Fichte und die Romantik. Hölderlin, Schelling,...

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