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Ängstlich und gottverlassen

Woody Allen und Ingmar Bergman auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

Ingmar Fernengel

Ingmar Bergman und Woody Allen, zwei auf den ersten Blick so grundverschiedene Filmemacher, erweisen sich in dieser vergleichenden Analyse ihrer filmischen Gesamtwerke überraschend als geistige Verwandte. Die Berührungspunkte sind neben ihrer Profession vor allem ihre hartnäckigen Fragen nach dem Sinn unseres Daseins, die beide auf ihre unverwechselbare Art «beantworten». Die subjektiv assoziative Interpretationsmethode, zu der sich das Buch bekennt, schafft es, den Leser mit einzubeziehen und ihn zum aktiven Wiederentdecker des umfangreichen filmischen Erbes dieser Regisseure werden zu lassen. Ein Filmbuch, das wissenschaftlichen Anspruch und Unterhaltung vereint und dabei als Konzept einen innovativen Weg beschreitet.

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Vorspann 7

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7 Vorspann Existentielle Fragestellungen sind so alt wie die Menschheit selbst. Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Warum bin ich hier? Ist mein Dasein gewollt oder eher zufällig? Fragen nach dem Sinn des irdischen Lebens haben in der Literatur eine lange Tradition, in neuerer Zeit besonders geprägt durch Heidegger, Jaspers und Sartre. Für einen Filmemacher bedarf es sehr viel mehr Mut und Freiheit, derart sperrige Fragen in seinem Werk zu platzieren. Entsprechend klein ist der Kreis derer, die es versucht haben. Buñuel als beißende Klerikalkritik, Scorsese mit seinen wiederkehrenden Symbolen der Kreuzigung, des Leidens und sogar Fellini auf seine wenn auch eigenwillige Art. Dennoch bleibt Ingmar Bergman ein einsamer Vorreiter, dessen filmische Ge- danken die geistige Haltung der jungen Generation nach dem zweiten Weltkrieg nährten. Angst, Verzweiflung, kalter Krieg und eine tief begriffene Einsamkeit gehörten zu den bestimmenden Erfahrungen dieser Generation. Dass Bergmans Filme den Nerv der Zeit exakt trafen, geschah eher zufällig, denn seine eigenen Beweggründe entsprangen einem hermetischen System, das sich kaum um die großen weltlichen Zusammenhänge scherte. Als Woody Allen, zweifellos angeregt von Bergman, existentialphilosophische Themen erstmals ernsthaft in seinen Filmen verarbeitete, spielten diese Fragen in der Öffentlichkeit praktisch keine Rolle mehr. Insofern kann man Allen ge- trost als altmodisch bezeichnen – im positiven Sinne, denn er kümmert sich nicht um Modetrends, lebt außerhalb des schnelllebigen Teils der Gesellschaft. Ihren Regeln hat er sich nie unterworfen, er hört mit Vorliebe Jazzmusik und...

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