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Ängstlich und gottverlassen

Woody Allen und Ingmar Bergman auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

Ingmar Fernengel

Ingmar Bergman und Woody Allen, zwei auf den ersten Blick so grundverschiedene Filmemacher, erweisen sich in dieser vergleichenden Analyse ihrer filmischen Gesamtwerke überraschend als geistige Verwandte. Die Berührungspunkte sind neben ihrer Profession vor allem ihre hartnäckigen Fragen nach dem Sinn unseres Daseins, die beide auf ihre unverwechselbare Art «beantworten». Die subjektiv assoziative Interpretationsmethode, zu der sich das Buch bekennt, schafft es, den Leser mit einzubeziehen und ihn zum aktiven Wiederentdecker des umfangreichen filmischen Erbes dieser Regisseure werden zu lassen. Ein Filmbuch, das wissenschaftlichen Anspruch und Unterhaltung vereint und dabei als Konzept einen innovativen Weg beschreitet.

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WOODY ALLEN 13

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13 Woody Allen Woody Allen ist Jude, er ist Komiker und er ist Agnostiker. Aber vor allem ist er Künstler, ein New Yorker Künstler.9 Sein Œuvre (Filme, Theaterstücke, Kurzge- schichten) besteht aus einer Melange dieser grundlegenden Attribute, die, scheinbar so einzigartig, tatsächlich Teil eines Phänomens sind, das eine Reihe gleichaltriger jüdischer Künstler auszeichnet, dazu zählen vor allem Lenny Bru- ce und Jerry Lewis. Sie wuchsen in einer Gesellschaft auf, in der sie vor der Wahl standen, sich dem Assimilationsprozess zu ergeben oder das Leben am Rande der Gesellschaft zu akzeptieren, wie es ihnen in der ghettoähnlichen Ab- geschiedenheit ihrer Kindheit vorgelebt wurde. Allen entschied sich für einen dritten Weg: Die Unabhängigkeit von jeglicher Autorität, sei es die Religion mit ihren tradierten Ritualen, die gesellschaftlich dominante Gruppe der Nichtjuden oder seien es die Denkschemata seines Elternhauses und deren Beeinflussungs- versuche. Dieses Streben nach Unabhängigkeit hat er sich bewahrt. Allens künstlerisches Schaffen ist ohne seine uneingeschränkte Kontrolle über das Werk undenkbar. In diesem Punkt steht er seinem erklärten Vorbild Bergman sehr nahe, bemerkt Eric Lax und schreibt: „Allen has come closer to duplicating the working conditions of Ingmar Bergman than any other director. He has a lar- ge share of independence.“10 Von der jüdischen Religion hat er sich nie abgewandt. Allen bezeichnet sich selbst als Agnostiker, da für ihn feststeht, „daß eine Gewißheit über den Sinn des Lebens ebensowenig zu erlangen ist...

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