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Ängstlich und gottverlassen

Woody Allen und Ingmar Bergman auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

Ingmar Fernengel

Ingmar Bergman und Woody Allen, zwei auf den ersten Blick so grundverschiedene Filmemacher, erweisen sich in dieser vergleichenden Analyse ihrer filmischen Gesamtwerke überraschend als geistige Verwandte. Die Berührungspunkte sind neben ihrer Profession vor allem ihre hartnäckigen Fragen nach dem Sinn unseres Daseins, die beide auf ihre unverwechselbare Art «beantworten». Die subjektiv assoziative Interpretationsmethode, zu der sich das Buch bekennt, schafft es, den Leser mit einzubeziehen und ihn zum aktiven Wiederentdecker des umfangreichen filmischen Erbes dieser Regisseure werden zu lassen. Ein Filmbuch, das wissenschaftlichen Anspruch und Unterhaltung vereint und dabei als Konzept einen innovativen Weg beschreitet.

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INGMAR BERGMAN 103

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103 Ingmar Bergman Im Hause eines protestantischen Pfarrers aufzuwachsen kann bedeuten, dass ein Blick hinter die Fassade von Leben und Tod zu den alltäglichen Erlebnissen ei- nes Jungen gehört. Beerdigungen, Hochzeiten, Beichten, Predigten hinterlassen automatisch ihre Spuren, die Figur des Teufels beeindruckte Bergman am meis- ten. „Rotkäppchen und der böse Wolf“ hieß ein Filmstreifen, den er auf der „Laterna Magica“, seinem wertvollsten Besitz, immer wieder abspulte. Der Wolf war der Teufel und das Muster der Tapete seine Spielwiese. Auch Kirche und Theater waren in der kindlichen Phantasie früh vereint, die Kirche eine Bühne und der im Ablauf festgelegte Gottesdienst eine regelmäßig wiederkehrende Aufführung. Schuld und Sühne, Strafe und Vergebung waren feste Bestandteile einer Kindheit, die Revolte nicht zuließen. Entscheidender, aber weniger spekta- kulär und augenfällig, ist der Einfluss des sozialen Umfeldes auf das Gesicht seiner Filme. Die schwedische Mittelschicht erscheint seit dem ausgehenden neunzehnten Jahrhundert als hermetisches Gefüge neben der sich immer weiter öffnenden modernen, vor allem städtischen Gesellschaft. Bergman hat rebelliert und seine angestaute Energie in eine beachtliche künstlerische Produktivität um- gewandelt. Die darin enthaltene Kritik ist apolitisch und richtet sich nur gegen einzelne Vertreter des wohlhabenden Bürgertums, darunter die Geistlichen. In Fanny und Alexander zeigt Bergman mit welchen Mitteln sein Religi- onsverständnis schon früh determiniert wurde. „Not only did this give Ingmar an early acquaintance with the major motives of the Christian religion, such as guilt, judgement, and reconciliation,...

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