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Selbst- und Fremdbilder von Arbeitslosigkeit

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Mareike Baumann

Tagtäglich müssen Millionen von Menschen mit den Folgen des Verlustes ihrer Arbeit umgehen. Dabei können zum einen die mit einer Arbeit verbundenen psychischen, sozialen und ökonomischen Funktionen verloren gehen. Daneben sind die Betroffenen oftmals gesellschaftlichen Vorurteilen und stereotypen Annahmen ausgesetzt. Zentraler Gegenstand der Untersuchung sind daher zwei Perspektiven sowie deren mögliche Divergenz oder Affinität: Auf der einen Seite stehen die Fremdbilder derjenigen Personen, die nicht von Arbeitslosigkeit betroffen sind, aber bewusst oder unbewusst zu Vermutungen und Überzeugungen gelangen, wie es Arbeitslosen geht oder warum sie arbeitslos geworden sind. Auf der anderen Seite stehen die Selbstbilder der arbeitslosen Menschen. Sie bringen zum Ausdruck, warum Arbeitslose ihre Arbeit verloren haben, wie sie diesen Verlust erleben, welche Erfahrungen sie mit ihrer sozialen Umwelt machen und was sie tun, um wieder eine Arbeitsstelle zu finden. Die Autorin geht der Frage nach, ob und wie die beiden Wahrnehmungsmuster aufeinander bezogen sind und wo möglicherweise Stereotype und Vorurteile vorliegen.

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1 Einleitung 19

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19 1 Einleitung 1.1 Einführung und Problemstellung „In einer um Arbeit zentrierten Gesellschaft stellt die Berufstätigkeit die wichtigste Verknüpfung mit der Realität dar.“ Prof. Dr. Thomas Kieselbach (*1944), Sprecher des IPG, Universität Bremen [1] Arbeit erfüllt ökonomische Funktionen, wie den Erwerb von Einkommen, aber auch psychische und soziale Funktionen, wie z. B. das Knüpfen sozialer Kontakte. Sie bietet die Möglichkeit, individuelle und gemeinschaftliche Ziele zu verfolgen und eigene Fähigkeiten zu erlernen bzw. auch zu zeigen. Arbeit ermöglicht eine feste Zeitstruktur und damit einen geregelten Tagesablauf. Der Beruf kann das Ansehen prägen und per- sönliche Identität schaffen (Kieselbach 2003; Moser & Paul 2001a; Jahoda 1983; Ja- hoda, Lazarsfeld & Zeisel 1975). Auch wenn ungünstige Arbeitsbedingungen, wie z. B. etwa Schichtarbeit, psychische und physische Beeinträchtigungen hervorrufen können (Büssing 1993), sind mit Arbeit wichtige Faktoren verbunden, die für das indi- viduelle Wohlbefinden förderlich sein können. Der Verlust des Arbeitsplatzes kann den Verlust der genannten Funktionen bedeu- ten; der in der Arbeit strukturierte Tagesablauf verändert sich, die finanzielle Sicher- heit ist möglicherweise nicht mehr gegeben, die zwischenmenschlichen Kontakte kön- nen beeinträchtigt werden und die zuvor erlebte Abwechslung zwischen Beruf und Freizeit reduziert sich (Rademacher 2003; Kieselbach 1995). Diesen Verlust von Ar- beit erleben in Deutschland tagtäglich Millionen von Menschen. Im Jahr 2008 lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote in der Bundesrepublik Deutschland bei 7,8 %, durchschnittlich waren 3,27 Mio. Personen arbeitslos...

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