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Selbst- und Fremdbilder von Arbeitslosigkeit

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Mareike Baumann

Tagtäglich müssen Millionen von Menschen mit den Folgen des Verlustes ihrer Arbeit umgehen. Dabei können zum einen die mit einer Arbeit verbundenen psychischen, sozialen und ökonomischen Funktionen verloren gehen. Daneben sind die Betroffenen oftmals gesellschaftlichen Vorurteilen und stereotypen Annahmen ausgesetzt. Zentraler Gegenstand der Untersuchung sind daher zwei Perspektiven sowie deren mögliche Divergenz oder Affinität: Auf der einen Seite stehen die Fremdbilder derjenigen Personen, die nicht von Arbeitslosigkeit betroffen sind, aber bewusst oder unbewusst zu Vermutungen und Überzeugungen gelangen, wie es Arbeitslosen geht oder warum sie arbeitslos geworden sind. Auf der anderen Seite stehen die Selbstbilder der arbeitslosen Menschen. Sie bringen zum Ausdruck, warum Arbeitslose ihre Arbeit verloren haben, wie sie diesen Verlust erleben, welche Erfahrungen sie mit ihrer sozialen Umwelt machen und was sie tun, um wieder eine Arbeitsstelle zu finden. Die Autorin geht der Frage nach, ob und wie die beiden Wahrnehmungsmuster aufeinander bezogen sind und wo möglicherweise Stereotype und Vorurteile vorliegen.

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2 Arbeitslosigkeit – ein gesellschaftliches Phänomen 27

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27 2 Arbeitslosigkeit – ein gesellschaftliches Phänomen „Arbeit ist schwer, ist oft genug ein freudloses und mühseliges Stochern; aber n i c h t arbeiten – das ist die Hölle.“ Thomas Mann (*1875 1955), deutscher Schriftsteller [2] In der vorliegenden Arbeit werden hauptsächlich zwei Personengruppen in den Mittel- punkt gerückt: diejenigen, die sich in einem Arbeitsverhältnis befinden und jene, die ihre Arbeit verloren haben. Daher ist es zunächst notwendig, verschiedene Begriffe, die in diesem Zusammenhang von Bedeutung sind, näher zu erläutern und voneinander abzugrenzen. Anschließend wird die Bedeutung von Arbeit und Arbeitslosigkeit her- vorgehoben, und es werden einige statistische Daten zur Entwicklung und Verbreitung von Arbeitslosigkeit in Deutschland vorgestellt. Spezielle Beachtung finden dabei von Arbeitslosigkeit besonders betroffene Personenkreise. Wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit in der Regel nur die männliche Sprach- form bzw. Wortendung verwendet, so ist zu beachten, dass damit Männer und Frauen gemeint sind. 2.1 Definition und Terminologie „Die Arbeitslosigkeit geht durchs Land wie ein neues Regime der Furcht, das keine Stasi braucht, um die Menschen einzuschüchtern.“ Heiner Müller (*1929 1995), deutscher Dramatiker [3] Unter Arbeitslosigkeit wird nach der allgemeinen Theorie der Wirtschaftswissenschaf- ten die Differenz von Arbeitskraftangebot und -nachfrage verstanden (Mellethin 2006, S. 15): „[Arbeitslosigkeit stellt ein] Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt [dar], bei dem die angebotene Art und Menge von Arbeitsleistungen die nachgefragte Art und Menge übersteigt, sodass ein Teil der arbeitswilligen und der arbeitsfähigen Erwerbsperso- nen zeitweise keine Beschäftigung hat.“ (Pollert et...

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