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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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2. Forschungsstand zur Lehnprägung 2

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.1. Forschungsgeschichte Heinzel (1875), Kluge (19012: §12) und Paul (18862: 339) wurden bei der theoreti- schen und begriffsgeschichtlichen Problematisierung des Phänomens der Lehnprägung von deutschen Gelehrtenkreisen aus zu den Initiatoren in den Dezennien um die vor- letzte Jahrhundertwende gezählt.5 Vor ihnen könnten bereits Goethe (1813) und Ebel (1861) gleichberechtigt zitiert werden, genauso wie auf slavischer Seite dieser Trans- ferenzmodus durch Dobrovskýs Wortbildungsstudien (von 1779 bis 1822), Grot (18853), Schuchardt (1884a; 1884b) sowie Windisch (1897: 117) eine angemessene Würdigung erfahren hat: Vgl. dazu den Brief Goethes an Riemer, F. W. vom 30. Juni 1813: [...] „Eine fremde Sprache ist hauptsächlich dann zu beneiden, wenn sie mit Einem Worte ausdrucken kann, was die andere um- 4 Berger (2008: 68) hält die Verwendung des Begriffs Sprachbund im Kontext des dt.-č. Sprachkon- takts für problematisch, da eine Art symmetrisches Verhältnis der beteiligten Kontaktsprachen sugge- riert werde. Daher empfiehlt er, wieder verantwortungsvoll von einem dt.-č. Einfluss zu sprechen. Diesem Umstand soll unser Begriff Konvergenzergebnis im Unterschied zum von Newerkla (2002a; 2004b: 79) gebrauchten Terminus Konvergenzprozess Rechnung tragen, den wir allein für die č.-ostö.- dt. syntaktischen Verhältnisse befürworten würden. Dabei sollen weder die Direktionalität noch die mehr oder weniger passive Rolle der Aktanten einer derartigen Beeinflussung gewichtet werden, son- dern lediglich das Faktum der infolge von Lehnprägung konvergenten onomasiologischen Strukturen herausgehoben werden, die innerhalb eines bestimmten Kontaktareals mehr als zwei Sprachen unter- schiedlicher Sprachfamilien betreffen. 5 Vgl. Betz (1945: 278ff...

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