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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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2.2. Locus communis der Forschungsvernachlässigung 4

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4 Forschungsbeiträge inner- und außerhalb der Slavistik oder die obgleich unausgereiften Transferenzstudien9 des Polyhistorikers Marcus Terentius Varro (116-27) berechtigten Anlass geben. 2.2. Locus communis der Forschungsvernachlässigung Das Klagen über die qualitativen und quantitativen Disproportionen in der Erfor- schung des inneren im Vergleich zum äußeren Lehngut gehört auch jenseits10 der Sla- vistik zum locus communis,11 so dass die Analyse von Calques trotz verfügbarer Ein- zeluntersuchungen (Kap. 2.3.f.) eine immer noch übersprachlich zu füllende Lücke darstellt.12 Die Auffassungen oszillieren hierbei zwischen (un)bewusster Unterbewer- tung und wissenschaftlich nicht fundierter Überhöhung.13 Signifikant hierzu hält Mauthner (1910:LXII;121) in seinem Wörterbuch der Philosophie fest: „Ich will hier vom Christentum, gar nichts weiter sagen und nachweisen als das Eine: daß das gesamte Christentum die ungeheuerste Lehnübersetzung oder Kette von Lehn- übersetzungen darstellt, die wir im Lichte der Geschichte beobachten können.“ Ähnlich äußert sich der Sprachbundvertreter Becker (1948a: 20;36), der die Spracher- neuerungen im 19. Jh. als eine „große Lehnübersetzung“ in der Interaktion von „Meis- ter- und Schülersprachen“ betrachtet: „Ein Wievieltel einer Sprache ist nicht über den Leisten der Lehnübersetzung geschlagen?“14 Umgekehrt wurde bei der Angabe des prozentualen Calqueanteils am Lehngut das „quod est demonstrandum“ ohne fundierte statistische Erhebungen vorweggenommen, indem man die Bedeutung dieses Transferenzmodus zwar zurecht den Lehnwörtern hintanstellte, z.T. aber in der Vergangenheit nach grober Schäzung vorab marginali- sierte. Innerhalb der Erscheinungsformen des Calques stehen, nachdem das 19. und...

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