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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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3. Sprachkontakt 12

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12 Bohemistischer Forschungsstand zur Theorie der Lehnprägung Čermák (2001: 145) positioniert den Calque ebenso über die Wortgrenze hinausge- hend als besonderen Übergang zwischen dem Lehnwort und einem indigenen Neolo- gismus, der sich aus der Übernahme eines allgemeinen Benennungsmodells aus der Fremdsprache (v.a. Komposita und Kollokationen) und voll indigenen (?)39 morphe- matischen oder lexikalischen Elementen zusammensetzt. Sgall; Panevová (2004: 55) definieren den Calque unzulässig funktional stilistisch eingrenzend kurzerhand als „wörtliche Übersetzung von Fachtermini u.a.“. Somit ergeben sich m.E. für diese defizitären Definitionen folgende Forschungsan- sätze zur Überarbeitung und Korrektur: 1) Konkretisierung des Reproduktions- prozesses der „Übersetzung“ mit dem der wortbildenden Lehnprägung übergeordneten Prinzip der Derivationsmorphologie und Verabschiedung von der „morphematischen Definition“ (Suffix-Calquierbarkeit?);40 2) Erweiterung der Zahl der für eine Repro- duktion in Frage kommenden Prototypen bei Europäismen oder Internationalismen; 3) Definitionserweiterung um freiere Reproduktionen (= Lehnübertragungen), die die regulären Typen im Č. darstellen wie (a) einesteils das ein Kompositum auflösende Syntagma, wodurch die Inkonsequenz der zugelassenen Calquierbarkeit von Wort- gruppenmatrices aufgehoben wird; (b) anderenteils der Einbezug des derivierten Kon- densats (zu weiteren Gründen vgl. Kap. 5.3.); 4) Erste genaue Beschreibung des Trans- ferenzmodus der Semicalquierung und seiner Hybridität; 5) Mischmodi zwischen Lehnbildung und Lehnbedeutung, d.h. gleichzeitig morphologisch und semantisch bzw. lautlich motivierte Calques (Kap. 6.6.2.ff.); 6) das Problem des Rückgriffs auf homo- bzw. paraphones Konstituenteninventar der L1 zur Reproduktion eines L2-Pro- totypen (bei genetischer Verwandtschaft, gemeinsamen Integraten, Volksetymologie). 3. Sprachkontakt 3.1. Rezeption fremdsprachlicher struktureller Elemente Die...

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