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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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3.2. Varietätenkontaktsituation 13

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Bohemistischer Forschungsstand zur Theorie der Lehnprägung 13 Lehnprägung, Lehn-Wortbildung) Bei diesem integrierenden Verfahren geht es um die Übernahme von Elementen, Merkmalen und Regeln (Transfers bzw. Intertransfers in concreto Calques, Lehn-Wortbildungstypen) aus der/den Matrixsprache(n).44 Ein rezeptives aktiv selektierendes Sprachsystem L1 verhält sich entsprechend seiner integrativen Disposition45 für aktuelle Bezeichnungsbedürfnisse gegenüber einem abgebenden passiven L2 regulativ, 46 wobei intra- und extralinguale Faktoren (struktu- rell-areale, universelle) latente oder aperte Entwicklungspotentiale und -tendenzen mit interlingualen Sprachkontaktphänomenen eine komplexe Interaktion eingehen.47 3.2. Varietätenkontaktsituation Bei der im Blickpunkt stehenden Varietätenkontaktsituation regional und sozial verän- derlicher Kommunitäten ist spezifisch, dass einerseits exogene deutsche Nachbar- und Inselmundarten oberdeutscher (bairisch-österreichischer West-/Südböhmens, Südmäh- rens) bzw. ostmitteldeutscher Prägung (Nordmährens/-böhmens, Schlesiens) als Ak- teure des Kontakts in Frage kommen, die diachron unterschiedlich stark zur Ausprä- gung kamen. Andererseits diente eigens die plurizentrische deutsche Standard-, Litera- tur- und städtische Verkehrssprache insbesondere in ihrer österreichisch-deutschen Ausprägung (d.h. Ostösterreich und das Einzugsgebiet von Wien) sowie jede deutsche Sprachvarietät der endogenen tschechischen Integrate als prototypisches Medium. Für das tschechische historische Argot stand prototypisch vereinzelt das deutsche Argot Pate,48 die dünne Schicht an wortbildenden (semi)calquierten Ausdrücken des Ge- meinböhmischen ist unterschiedlichen deutschen Varietäten zuzurechnen. Historisch betrachtet lebten die beteiligten Gemeinschaften unter wechselnden kul- tur- und sprachgeschichtlichen Aspekten: vor 1620 überwog die Zahl norddeutscher und sächsischer, danach südddeutscher Immigranten in Prag. Unter den...

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