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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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4.1. Äußere Faktoren 19

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Allgemeine Integrationsmotivik - Äußere Faktoren 19 4.1. Äußere Faktoren 4.1.1. Notionale, stilistische und konnotative Differenzierungsbedürfnisse Zur universalen Ursache lexikalischer Erneuerung zählt der akkulturelle Transfer eines fremden, zum Zeitpunkt der Übernahme nicht entopischen, konkreten (Gegenstand, Gerät u.a.) oder abstrakten Begriffs (Haltungen, Einstellungen und Erkenntnisse der Wissenschaft, Technik, Geschichte u.a.), der im Kontext kultureller, politischer, öko- nomischer und zumeist koarealer Wechselbeziehungen das Designat nach sich ziehen kann. Während bei den Calques wie bei den Lehnwörtern auch m.E. Kultur- und Ver- kehrscalques in Anlehnung an Trosts (1977a: 30) Gliederung bezeugbar sind, scheinen Modewörter tendenziell den Lehnwörtern, abstrakte Termini eher den Calques vorbe- halten zu sein.72 Dadurch können bestehende Lücken lexikalischer Teilstrukturen des einen Kodes gegenüber dem anderen infolge von „Eins-zu-Null-Äquivalenzen“73 (nč. stavbyvedoucí sts. architekt. nhd. Bauführer, -leiter) gefüllt werden, oder sie kön- nen, wie hier festgestellt wurde, die Entstehung einer synonymen Einheit in einer anderen Stilschicht hervorrufen (komplex méněcennosti sts. und hierzu mindrák Fj. gs. bzw. ats. nhd. Minderwertigkeitskomplex),74 schließlich können Sememe eines strukturell polysemen Lexems ausdrucksseitig differenziert werden (ač. chvála - 1. Lob; 2. Lobgesang gegenüber nč. chvála ‛Lob’, nč. chvalozpěv nhd. Lobge- sang; č. vlečka nhd. Schleppe, zuvor mč. vlak, ocas (Lb) im älteren Nhd. schwanz ( mhd. swanz, bzw. swenzelîn, swenzel), frz. queue, it. coda). Dabei werden demnach kodeerweiternde Calques des Typs 1 von annähernd synonymischen des Typs 2, die einer weiteren...

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