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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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4.1.4. Ideologische Panslavisierungs- und Unifizierungsentwicklungen 21

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Allgemeine Integrationsmotivik - Äußere Faktoren 21 mitunter durch Calques ersetzt wurden. Einerseits stellt dies ein Zugeständnis der indi- genen Oberfläche an die rezipiente L1 dar, andererseits wurden Calques als Gefahren- herd für Umgestaltungen innerhalb des Derivations-, des lexiko-semantischen, phrase- ologischen und syntaktischen Systems der L1 gesehen. 82 Umgekehrt wollte man sich am deutschen L2-Prototypenkode, 83 der auch als Brü- ckenschlag zur Vermittlung europäischer Bildung diente, im internationalen Prestige messen und die Ebenbürtigkeit des Tschechischen durch völlige Loyalität zum eige- nen L1-Kode beweisen (v.a. ab den 70er Jahren des 19. Jhs. bis in die erste Hälfte des 20. Jhs.). Dass die Methode der Lehnprägung weit häufiger zur Anwendung kam, als es in den selbst nach deutschen Vorlagen entworfenen Programmatiken des 19. Jhs. geplant war (Kap. 11.7.), spricht für die Eignung dieser Entlehnung. Calquiert werden konnte aus den Sprachen, wo sich ein Fachbereich am fortschrittlichsten entwickelt hatte, und wo die entsprechende Literatur am umfassendsten und zugänglichsten war.84 Für die Zeiten der kulturellen Entfaltung des Tschechischen, d.h. für die zweite Hälfte des 14. Jhs., die Zeit der Erneuerung und des zeitgenössischen technischen Fort- schritts, können wir jeweils mit einem Anstieg der Komposition rechnen, die sich auch aus calquierten onomasiologischen Strukturen rekrutiert.85 Interesant ist die hier gewonne Erkenntnis, dass z.B. die in Josef Jungmanns Wörterbuch (1835-39) nach Newerklas (2004b) Auswertung fehlenden Lehnwörter größtenteils von uns als Cal- ques bei ihm gebucht ausgemacht...

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