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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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4.2. Innere Faktoren 22

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22 Allgemeine Integrationsmotivik - Äußere Faktoren somit katalytisch und legitimierend zugleich und löste eine solche Nachahmung der Wortschatzerweiterung in anderen rezipienten L1-Kodes aus, (vgl. N.M. Karamzin im Brief an Bonnet vom 23.1. 1790, wo er das Deutsche als Matrixsprache der lexika- lischen Erneuerung ins Feld führt).89 Einen Rekurs auf diese Einheitsbestrebungen des 19. Jhs. kann man erneut in der sozia- listischen Freundschaft der Völker und in ihrer ideologisierten Terminologie während des hegemonialen russischen Kontaktes entdecken. Diese Termini sollten in der zweiten Hälfte des 20. Jhs. einer gemeinsamen vereinheitlichten Weltanschauung der Satelliten- staaten Ausdruck verleihen: Vgl. вахта мира dt. Friedenswacht; kosmická lod’ r. космический корабль (anfangs sogar koráb jedoch bald aufgrund der archaisierenden Konnotation durch das neutrale lod’ ersetzt), ferner č. mírotvůrce, národní fronta, socialistické soutěžení, hrdina práce, město-hrdina, společensko-politický; r. стенгазета č. stěngazeta nástěnné noviny > nástěnka, bg. стенвeстник; č. früher soukromý docent dt. Privatdozent, dann vetym. státní docent nach r. штатный доцент, vorher приват- доцент).90 In der Syntagmatik wird der Typ S1+S2Gen kurzzeitig bis in die 60er Jahre populär: č. kult osobnosti r. культ личности, č. hrdina práce r. герой труда. Ebenso haben sich appositionelle Komposita des Typs S1-S2 (dt. korrespondierendes Mitglied, č. vorher dopisující člen akademie, dann č. člen korespondent, slk. člen-korešpondent r. член-корреспондент frz. membre corres- pondant) bis in die 60er Jahre hinein etabliert. Genauso selten wie Komposita (normohodina нормочас, člověkoden человекодень) wurden Derivate (nadstavba надстройка) calquiert. Schließ- lich wurden Matrices für Benennungen von Organisationen und Geschäften (Čechotrans, Tapa,...

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