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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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4.2.2. Motivierung 23

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Allgemeine Integrationsmotivik - Innere Faktoren 23 quenz gegenüber dem zwar morphemalphabetisch konstant gebliebenen aber länger kodierten Calque wettmacht. Diese Vorteilhaftigkeit der Dekodierung scheint meiner Ansicht nach aber nach der Ersterlernung eines Lexems irrelevant zu werden. 4.2.2. Motivierung Ein Sprachsystem scheint eine grundsätzlich höhere Prädisposition für die Entlehnung eines Lehnworts als für die einer Lehnprägung (Efremov 1960: 16; Fleckenstein 1963b: 8) zu besitzen, wenn man betrachtet, dass durch das Lehnwort im Unterschied zum Calque sowohl remotivierbares als auch unmotiviertes Material transferiert wer- den kann. Eine inhärente Prädisposition für den Calque kann daran liegen, dass man eine an den Sprachträger motivierte Bildung (semiopake beim Semicalque) adressieren möchte (č. hormistr anstelle des (semi)opaken ač. pergmistr, perkmistr, pergmejstr). Eine allzu große Varianz der Motivierung ist gerade in den wissenschaftlichen Termi- nologien und Allonymien nicht erwünscht (č. starček celolistý pol’ný lat. Senecio integrifolius campestris, Bílá/Lesní/Vřesná/Smrčinná Nába dt. Weiße Naab, Waldnaab, Heidenaab, Fichtelnaab).94 Die Desintegration eines Calques kann bei sons- tiger Einhaltung der Regeln im L1-Kode durch die innere Sprachform bedingt werden, wenn die kognitive Bereitschaft bei der zielsprachigen Diskursgemeinschaft fehlt, die- se aufzunehmen (z.B. Exotismen, Metonymien und Metaphern).95 Ihre Akzeptanz nicht ihre tatsächliche Transparenz (vgl. Volksetymologie!) vermag wohl die Grenzen des Lehnprozesses abzustecken. 4.2.3. Strukturelle Prädisposition oder Restriktion Der genetische Verwandtschaftsgrad von kontagierten Systemen, ihrer Wortbildungs- strukturen und ihrer morphematischen Elastizität (Martins 1971: 71) kann die Permea-...

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