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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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4.2.4. Attraktionen und Kollisionen auf der bilateralen Zeichenebene 25

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Allgemeine Integrationsmotivik - Innere Faktoren 25 4.2.4. Attraktionen und Kollisionen auf der bilateralen Zeichenebene Lautlich begründet ist jene Kategorie, bei der das zur Wahl stehende Morphem- inventar zwischensprachlich aufgrund von Homo- bzw. Paraphonie eventuell Ästhetik bzw. Euphonie100 auf der Ausdrucksebene des L2-Prototypen und des potentiellen L1- Reprodukts integrationsfördernd wirkt.101 Damit sind die regulären Fälle der Konduk- tion, der homophonen und homologen Lehnbedeutung (č. bodrý ‛fröhlich’ dt. bieder ‛gut, nett’102 gemeint (vgl. Kap. 6.6.2.), weniger die Fälle, wo die Ausdrucksseite mehr (dt. Backen-bart VE p. boko-brody) oder weniger stark (engl. sky-scraper r. небо-скреб) transferenzunterstützend denn -auslösend wirkt.103 Lautliche Anlehnung an den Prototypen kann theoretisch bei allen untersuchten Transferenzmodi bis auf die synonyme mit inhaltlicher Attraktion bzw. homomorphe Lehnbedeutung mit morphe- matischer Attraktion eine Transferenz einleiten. Innersprachliche Homonymien können den Transferenzmodus der Lehnprägung ent- weder initiieren oder einschränken. Der Transferenzmodus der Lehnprägung löst eine innersprachliche homonyme Situation auf, indem er für ein Lehnwort eintritt: z.B. würden Verbalderivate von č. krematorium ‛Bestattungsinstitut’ homonym mit Ablei- tungen von krém ‛Creme’ kollidieren, so dass č. zpopelniti dem frz. incinérer als Äquivalent zur Seite steht.104 Umgekehrt kann eine Homonymie zu heimischen Äqui- valenten für die Integration von Calques restriktiv wirken, wenn zum Beispiel die Metaphorisierung des L2-Kodes eine asymmetrische eventuell expressive Spannung zwischen wortbildender und semantischer Bedeutung in der Zielsprache L1 hervorruft, wie z.B. engl. pancake ‛Rundleuchte’ č. lívanec ‛Liwanze, Pfannkuchen’, engl. mes- senger slk. posol, poslíček).105 Interessant ist...

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