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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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4.2.5. Psycholinguistische Perspektive und pragmatische Aspekte der Transferenzprozesse 26

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26 Allgemeine Integrationsmotivik - Innere Faktoren Falls auf Kosemie107 beruhende Infiltrate integriert werden, können postintegrative Bedeutungsdiversifizierungen erfolgen:108 z.B. musste die doppelte Kosemie zwischen křížník und křižák behoben werden, da beide derivationsmorphologisch motiviert ‛Κreuzschiff, Kreuzfahrer’ bedeuten konnten, heute křížník ‛Κreuzschiff’, křižák ‛Kreuzfahrer’ und Bedeutungsverschiebung ‛kleineres Motorschiff mit Kabinen’ so- wie ‛Streckengezimmer an einer Kreuzung im Bergwerksstollen’; č. kapelník ‛Kapellmeister’ jídelníček sts.),110 um den Kom- munikationserfolg einer gemeinsam signalisierten Verhaltensbasis nicht zu beeinträch- 107 In Anlehnung an Dolníks (1989: 323) kosémia verstehen wir darunter parallele Wortbildungspro- zesse mit derselben wortbildenden Motivierung bei unterschiedlichen inhaltlichen Bedeutungen, die nicht im Verhältnis einer semantischen Derivation zueinander stehen, im Unterschied zur Homonymie aber durch ein integriertes Sem, einen Bestandteil der onomasiologischen Struktur, miteinander ver- bunden sind. 108 Hierfür kann Ullmann (1972: 122) keine Belege finden. 109 Vgl. Rippl (1926: 24), Leeuwen-Turnovcová (1993: 100), SNČ: 148 und Rz: 196. 110 In der literarischen Sphäre hat Mareš (2003: 138f.) bei den Aspekten der textuellen Mehrsprachig- keit aber gezeigt, dass gerade auch die Calques zur Gruppencharakterisierung in der Exilliteratur stilis- tisch so eingesetzt wurden (z.B. J. Škvorecký in Ze života exilové společnosti (1985)), dass sie z.T. nur von Adressaten mit Exilerfahrung problemlos dechiffriert werden konnten (č. zvykový muži engl. customs 1. Zoll, 2. Gebräuche, Sitten).

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