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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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5. Begriffsgeschichte und Typologie der Lehnprägung 27

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Allgemeine Integrationsmotivik - Innere Faktoren 27 tigen und die eigensprachliche Geschlossenheit der Standardsprache zu wahren. Im normativen Modell werden grammatische und derivative Regeln mittels mancher auch unintegrierter Lehnübersetzung, Lehnübertragung, Lehnbedeutungen befolgt, um Pres- tige, Distanz und Formalität zu signalisieren. Ein vortreffliches Beispiel in doppelter Hinsicht bietet die Erzählung Kravál u dalekomluvu von Jaromír John aus der Sammlung Večery na slamníku (1920),111 die einen gewöhnlich auf Deutsch ge- führten Dialog im österreichischen Militär zwischen einem Major der älteren Generation und dem Kadetten John in tschechischer Sprache vorstellt. Der purismustreue General ermahnt zum Zwecke einer einwandfreien Kommunikation seinen Kadetten zur Sprachloyalität: „Pane majore, kadet John Jaromír nejposlušněji prosí, aby směl použíti telefonu!“ […] „Ale,“ hrozil major ukazováčkem s pečetním prstenem, neužíváme cizích slov, která vynašli naši nepřátelé. Opravte se!“ „Pane majore, kadet John nejposlušněji prosí, aby směl užíti dalekomluvu!“ Um dem Tschechischleser die im Deut- schen purifizierte Realienbezeichnung Telefon - Fernsprecher verständlich zu machen und somit auch indirekt auf die eigentlich gebrauchte Sprache hinzuweisen, wird als Kuriosum auf eine calquierte ad- hoc Bildung (č. dalekomluv) zurückgegriffen, welche die komische Situation im Č.gesteigert pointiert. Die Abweichung von der Kommunikationsnorm mit guten Bekannten vollzieht sich im rationalen Modell durch den Rückgriff auf das Repertoire der situativ exakteren Lehnwörtern in der Annahme (č. dakl, daxl, daklík, daxlík Fj.; špajskarte, špajzkarta, špajscetl;...

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