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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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6. Transferenzmodi 35

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Lehnbildung 35 noch die vollständige Deckungsgleichheit der inneren Form, um andernfalls als Über- setzung zu gelten (č. překlad výrazu).132 Würde man so verfahren, wäre ein minimaler Prozentsatz der durch die L1 formal und motivierend nicht variierten Reprodukte als Calque zu betrachten (Lehnübersetzung), bei strengster Auslegung nur diejenigen mit einem Lehn-Wortbildungstyp, der Großteil müsste als „Übersetzung“ abgehandelt werden (Lehnübertragung), zu der bisher meines Wissens keine Untersuchungen vor- liegen. Dies bedeutet nach unserer Auffassung für die Rekonstruktion eines wortbil- denden bzw. syntagmatischen Calques, dass z.B. ein Kompositum, ein Derivat, eine Wortgruppe oder ein Phrasem auf einen kompositionellen Prototyp zurückgeführt wer- den können. Eine Differenzierung zwischen Übersetzung und wortbildender bzw. syntagmatischer Lehnprägung ist insofern zu ziehen, als die Lehnprägung zur Realisation des bezeich- neten Inhalts dem Prinzip der Übersetzung mit dem Spezifikum unterworfen ist, dass sie heimische (indigene/integrierte) Formanten selektiert und im primären Rahmen einer Neubildung auf der Wort- und Phrasemebene dem stabilen Lexikon hinzufügt, die im sekundären Rahmen der Übersetzung auf Wort-, Syntagma-, Phrasem-, Satz- und Textebene beliebig re-reproduziert werden können. 6. Transferenzmodi 6.1. Lehnbildung Betz (1949: 11-32) vereinheitlicht und ergänzt die Plattform einer bis dahin in der ger- manistischen und europäischen Sprachwissenschaft erarbeiteten Lehngut- terminologie.133 Da sich bei allen von ihm untersuchten Entlehnungen ihre lexikalische Bedeutung zunächst mit der des L2-Prototypen deckt, führt er innerhalb seiner Klassifi- zierung formal unterscheidend Lehnübersetzungen (Lü) und Lehnübertragun- 132 Gegen...

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