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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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6.1.2. Lehnübertragung 39

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Lehnübertragung 39 einer Einzelkonstituente schwer nachweisbar ist. Prinzipiell bleibt hier m.E. nur zu sagen, dass jeder Calque mitsamt eines Lehn-Wortbildungstyps diese beiden Katego- rien einnimmt, da sowohl entwickelt als auch bereichert wird.151 6.1.2. Lehnübertragung Neben der Lehnübersetzung subsumiert Betz (1949: 21f.;27) unter die Lehnbildungen auch die Lehnübertragung (Lüt). Unter diesem Terminus versteht er die „freiere Über- setzung“152 bzw. „freiere Teilübertragung“, wenn „ein Wort [...] nach dem Vorbild eines fremdsprachlichen Wortes neu gebildet [wird, Anm. d . Verf.], indem es mit ei- gensprachlichem Stoff dieses Vorbild in freier, teilweiser Anlehnung nachbildet“ (č. doutník sts. dt. Glimmstängel). Synonyme Termini treten übersprachlich wie folgt auf: Dt. unvollständige Lehnübersetzung (Ganz 1957: 7), inkonforme Lehnübersetzung (Kohls 1969: 422), elliptische, suffixale, syntagmatische Lehnübersetzung (Bieder 1986: 194); partielle Lehnübersetzung (Pechberg Smolná (*Hora), Lehmann 1999: 58) allerdings ohne Unterschied zu seiner Kategorie der freien, inkonformen bzw. ungenauen Lehnübersetzung (dt. Steinbach č. Kamenice), Transfer- enzübertragung (Földes 2006: 123); r. неточное, свободное, варьирующее калькирование (Efremov 1974b: 114), неточные кальки (Arapova 2000: 21); заимствования-переносы (Žluktenko 1989: 82); p. kalki leksykalne strukturalne niedokładne (Obara 1989: 60ff.), kalka przybliżona (Nagórko 2007: 241); bg. неточни структурни лексикални калки (Blagoeva 2003: 134); engl. approximate creation (Haugen 1953: 402), loan rendition (Weinreich 1966: 51), approximate loanshift creation (gegenüber exact oder literal, Schottmann 1977: 27), loan metonymy (Molnár 1985: 50). Genau dort, wo sich die Derivationssysteme bzw. die Produktivität der Kodes L2 und L1 nicht decken, reflektiert das Tschechische seine rezeptiven Wortbildungsregeln in der Lehnübertragung anstelle...

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