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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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6.2. Lehnform 41

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Lehnschöpfung 41 übertragung mit [- + -] und ohne Lehn-Wortbildungstyp [- + +], sowie die die Motivie- rung und Wortbildungsstruktur motivierende Lehnübertragung mit [- - +] und ohne Lehn-Wortbildungstyp [- - -]. 6.2. Lehnform Eine an die Lehnbildung gekoppelte Kategorie repräsentiert die Lehnform (Schumann 1965: 73), die die Reproduktion grammatischer Kategorien wie des Genus und des Numerus reflektiert (aksl.  gr. ). Allerdings stellt diese Kategorie m.E. kein die nč. Lehnprägung beherrschendes Prinzip dar, denn der Numerus ist zwar überwiegend (singularisch) kongruent zum Prototypen gehalten (č. jízdenka jízdní lístek dt. Fahrkarte, -schein, -billet; č. husí nožičky nhd. Gänsefüßchen), das Ge- nus richtet sich aber nach der morphologischen Integration der č. (Zweit-)Konstituente (č. kočičí hlava nhd. Katzenkopf; č. křídlovka nhd. Flügelhorn). 6.3. Lehnschöpfung Linguistisch problematisch165 zu fassen ist die Kategorie der Lehnschöpfung, für wel- che folgende synonyme Termini166 auftreten: Dt. Ersatzlehnwörter (Weise 1912); engl. induced creation, spontaneous innovations (Haugen 1950: 220f.; 1953: 403 ff.; 1956: 765f.), calque neologisms; frz. pseudocal- ques (Molnár 1985: 65), calquoide, loan creation; r. слова-заменители; заимствованные новообразования (Žluktenko 1989: 82); p. wyraz(y) - zamiennik(i) (Obara 1989: 81), kalki-ekwiwalenty (Walczak 1992: 71), neologizm indukowany (Nagórko 2007: 241). Die Schwierigkeit ihrer Nachweisbarkeit liegt darin, dass die Lehnschöpfung auch nach einem vorausgegangenen Lehnwortintegrat (Lehnwortersatz bei Coleman 1965: 74,167 dt. Weinbrand dt. Kognak oder frz. cognac?, Betz 1974: 136) durch die Re- produktion der Inhaltsseite und die Neuschaffung eines Lexems keines der übrigen identifizierenden Calqueskriterien,...

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