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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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6.4.3. Definition des Semicalques 48

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48 Semicalque phonen Lehnbedeutung185 (vgl. Kap. 6.6.2.), z.B. bei Toponymen: Thurn (< mhd. turm, turn, vielleicht nicht direkt lat. turris) und Tuřany (Regierungsbezirk Eger) (< tsch. tur, tuří); slk. viložiu som sa ‘dostal som sa do hanby’ (slk. Minderheit in Bulga- rien vor ihrer Reemigrierung) bg. izložich se;186 nhd. Erl-könig dän. ellekonge (< elve(r)konge; lat. aurichalcum gr. ‛Messing ; lat. millefolium gr. ‛Schafgarbe ; lat. caerefolium ‛Kerbel ).187 All diese Phänomene fasse ich unter dem Begriff der Konduktion zusammen. Darun- ter verstehe ich die Zusammenführung (infolge Diffusion) obligatorisch homo- bzw. paraphonen Morpheminventars aus der L2 und des bereits vorliegenden in der L1 in- nerhalb der syntagmatischen Reproduktion eines Prototypen L2 im L1-Nachbild. Damit sind aber nicht die Lehnwortphänomene gemeint, die Dolník (1993: 4ff.) als formale Analogie (a), semantisch-formale Analogie (b) und formal-semantische Ana- logie (c), = homologe Lehnbedeutung, hierzu vgl. Kap. 6.6.3.) beschreibt, zum Bei- spiel: (a) č. louka : mouka : spousta = slk. lúka : múka : x (spústa, eig. hŕba) (b) č. psát : dopis = slk. písat’ : x (dopis, eig. list) 6.4.3. Definition des Semicalques Unter Semicalques verstehen wir binäre Transferenzmodi, in welchen (wortbildende bzw. syntagmatische) Lehnprägung und Adaptation (kindervajíčko, -vejce ugs. ( nhd. Kinder(überraschungs)ei, engl. kinder egg) bzw. Konduktion (-šroub: ankšroub, heftšroub, holcšroub, španšroub Fj. Handwerk, Tech.; r. газообмен nhd. Gaswech- sel)188 linear wechselseitig kombiniert werden. Daher können sie allein weder den Lehnwörtern noch den Lehnprägungen untergeordnet werden. Von der...

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