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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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6.4.6. Exkurs zur Hybridität lexikalischer Einheiten 53

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Semicalque 53 mit morphologischer Adaptation skysurf-ista, skysurf-ař).204 Für die Andersartigkeit des Integrationsprozesses von Suffixen spricht auch folgende Substitution mit Bedeu- tungsdifferenzierung, die im postintegrativem Rezeptionsmechanismus der L1 und nicht einer Lehnprägung aus L2 begründet ist: košt-éř (‛Koster’) und košt-ýř dial. (‛Weinheber’).205 Wir ordnen daher auf einen L2-Prototyp zurückführbare Präfixderi- vate, Komposita und Derivate mit heimischer Basis und fremdem Suffix den Semical- ques, Derivate mit fremder Basis und mit heimischem Suffix traditionell dagegen den Lehnwörtern zu. Bei einem Suffixderivat wie barv-íř (ač. barvieř - mhd. verwaere, ač. barva, barba mhd. varwe), das Trávníček (1951: 450) als semicalquierte Hybrid- bildung ausweist, werden wir ein (absolut) konduziertes Lehnwort mit potentieller Hybridität ansetzen, da entweder einer oder beide Formanten bereits zum Zeitpunkt der Entlehnung in der L2 homo-paraphon vorlagen. 6.4.6. Exkurs zur Hybridität lexikalischer Einheiten In der č. Lehnprägungsforschung wurde der Semicalque stets zwingend mit einer Hyb- ridbildung in Verbindung gebracht: Bei einer Hybridbildung muss die Präsupposition der morphologischen Komplexität (lex. Morpheme, Affixe, Radices, Initialkonstituen- ten) einer minimalen Hybridstruktur erfüllt sein, in die nicht alle Morphemkombina- tionen unter Ausschöpfung der zwei- bzw. partiell dreistufigen Integrationsskala („heimisch“ = ‛indigen bzw. integriert’, „fremd bzw. interferierend“, „integriert“) mit der Komposition als der produktivsten Wortbildungsart eingehen. Die Kombination rein fremder/interferierender Konstituenten wird sowohl für remotivierbare als Einheit entlehnte Lehnwörter č. klerofašista (ASCS I: 390) ( österr.-dt. Klerofaschist, bin- nendt. belegt Klerikalfaschist) sowie Semicalques (č. arci-rival Publ. expr. engl. arch-rival, nhd....

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