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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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6.6. Lehnbedeutung 60

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60 Lehnbedeutung 6.6. Lehnbedeutung Der Transferenzmodus der Lehnbedeutung (Lb) stellt bei Betz (1936;1945;1949;1951; 19512;1959; 19743) zusammen mit der Lehnbildung und der Lehnschöpfung eine Sub- kategorie der Lehnprägung221 dar. Der Unterschied in der Reproduktion besteht darin, dass bei der Lehnbedeutung auf eine in der L1 bereits bestehende Ausdrucksseite zu- rückgegriffen wird.222 Bei diesen zwischensprachlichen neosemantisierenden Prozes- sen wird der neue semantische Wert in Beziehung gesetzt zum bisherigen semanti- schen Spektrum, das sowohl heimische Ausdrucksseiten als auch bereits integrierte Adaptationen betreffen kann (neuerdings Anglizismen und Internationalismen gr.-lat. Provenienz). Synonyme Termini treten in den Einzelsprachen wie folgt auf: Č. slk. sémantický kalk (Filipec; Čermák 1985: 122; Palcútová 2005); dt. Polysemie-Reproduktion (Bellmann 1971: 42;1973: 506), Transferenzbedeutungen (Földes 2006: 124), monoform, asymmetri- sche Interkatenation (Lüllwitz 1972: 216); r. семантические калъки (Šanskij 1955: 29;Rot 1970: 250), заимствованные значения (Žluktenko 1989: 82); p. kalki leksykalne semantyczne właściwe (Obara 1989: 60f.), zapożyczenia semantyczne (Cyran 1974: 36; Witalisz 2007: 16ff.: speziell fürs Engl. anglosemantyzm); bg. (cинонимни/aсоциативни) cемантични лексикални калки (Blagoeva 2003: 134f.); engl. loan meaning (Duckworth 1977: 51), semantic calque (Metzler-Lexikon Sprache 20002: 402ff.), semantic translation loanwords (Rot 1984: 275); frz. calques sémantiques (Apreotesei 1973: 1); p. kalki leksykalne semantyczne (Obara 1989: 60ff.); rum. calcul semantic (Hristea 1967: 511). Während die Lehnbildung auf einen auf der Zeitachse fixierbaren Lehnprägungsakt zurückgeht, ist die Lehnbedeutung eher als ein usualisiertes Ergebnis aus kontextuel- len Aktualisierungen zu deuten, das Resultat einer aus wiederholten Analogiesetzun- gen erwachsenden Bedeutungsentwicklung...

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