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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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6.6.3. Homologe Lehnbedeutung und ihre Abgrenzung vom Lehnwort 66

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66 Lehnbedeutung sächlich führen diese schwer zu trennenden Fälle des postintegrativ adaptierten Lehn- worts oder der die Entlehnung auslösenden lautlich induzierten homophonen Lehnbe- deutung zu gleichlautenden Ergebnissen. Allerdings hätte in diesem konkreten Bei- spiel auch eine regulär zu erwartende phonematische Adaptation im Sinne eines aus- drucksseitig erstmals adaptierten Lehnworts eintreten können [brand - bran], die wir eindeutig als Lehnwortadaptation ausgewiesen hätten. Auch Schumann (1968: 69f.) problematisiert diese Abgrenzung der Transferenzmodi, die er weder ausschließen noch bekräftigen kann. Anhand von volksetymologischen Ausdrücken wie Abenteuer (mhd. aventiure frz. aventure) und Mailand ( it. Milano/lat. Mediolanum) argu- mentiert er für das postintegrative Assimilierungspotential einzelner adaptierter Kon- stituenten an bestehende der rezipienten Sprache, wobei hier nachweisbar die Gesamt- ausdrücke erstmalig entlehnt wurden. Dagegen interpretieren wir Lift ‛Fahrstuhl’, (Fa- ce-)Lift ‛Gesichtshautoperation’ als zwei unabhängig voneinander entlehnte homony- me Lehnwörter, d.h. entgegen Urbanová (1966: 111f.), die diese als „polysemantische Lehnwörter, die weitere neue Bedeutungen erhalten“ ausweisen möchte. 6.6.3. Homologe Lehnbedeutung und ihre Abgrenzung vom Lehnwort Differenzierungsprobleme treten auch bei solchen Entsprechungen auf, wo sowohl eine inhaltsseitig als auch eine ausdrucksseitig induzierte Bedeutungsaddition gleichzeitig zum Tragen kommen.245 Hier gilt es, den Transferenzmodus homologe Lehnbedeutung von der Lehnwortdaptation zu unterscheiden, d.h. man muss analysieren, in welchem Reproduktionsverhältnis z.B. dt. realisieren 1. ver- wirklichen; 2. begreifen, einsehen zu den potentiellen Prototypen frz. realiser und engl. realize steht. Die Wortgeschichte gibt auf diese Frage Höflers (1971) Auf- schluss, dass das Lehnwort...

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