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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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6.6.4. Homomorphe Lehnbedeutung und ihre Abgrenzung von der Lehnübersetzung 67

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Lehnbedeutung 67 Im Jahre 1848 erregte der Jungboleslauer Kreishauptmann Kotze aus Dobrš Unruhen gegen sich, nachdem er im Zuge der konstitutionellen Ausrufung Flugblätter an seine untergebenen Beamten ver- schickte, in denen er sie vor sog. böhmischen Gesandten (emisaři) warnte, die die Republik ausrufen wollten und in der Boleslauer Gegend Unordnung trieben (vgl. Josef V. Frič in Paměti II:391). Bis 1848 gebrauchte man für Katzenmusik, -konzert, -gesang entsprechend wie im Dt. kočičí muzika (Květy 1848: 273: Nr. 64 vom 30. Mai) in der Bed. ‛disharmonisches dem Katzengeheul ähneln- des Stelldichein für Menschen, die sich ein öffentliches Ärgernis zu Schulden kommen ließen.’ Im gleichen Jahr erscheint noch in dieser Bedeutung die Adaptation an den Familiennamen (kotzovina) o kočičí muzice aneb kocovině (Josef K. Tyl in Pražský posel 7, 1848: 56). Bei Jg, der kocovina noch nicht buchen kann, tritt kočičina - kočičj smrad in der Bed. ‛Katzengeruch’ mit Dob als Gewährsmann auf, so dass kocovina lautlich semantisch und derivationell an kočičina, das wohl aus kočičí muzika kondensiert wurde, angelehnt wurde. Šm bucht kočičí nářek, spätestens aber seit Kt I:716 wird kočičina synonym zu kocovina gestellt (ebenso im OSN XIV (1898: 481)). Nach dem SSJČ ist kocovina in der Bed. ‛Radau’ veraltet und im SSČ nur noch in der Bed. ‛Kater’ geführt, kočičina expr. 1. schlechte ohrenbetäubende Musik; 2. disharmonisches Stelldichein; 3. Katzengeruch;...

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