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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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6.8. Lehn-Wortbildungstyp 74

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74 Lehn-Wortbildung vařbuchta substs. expr. nhd. Kochkuchen, kadibudka substs. pej. nhd. Scheiss- häusel. (d) Der A+K+S-Typus Noch im Ursl. fand die Ausdifferenzierung von exozentrischen (*zolt-o-golv-ъ) und sekundären endozentrischen subst. Komposita (*črn-o-zem-ъ) des Typs A-K-S statt,267 die im Ač. den Bereich der Terminologie und des intellektuellen Wortschatzes abdeck- ten und erst im späten 19. Jh. als produktives Wortbildungsmodell u.a. auch durch cal- quierte Bildungen determinologisiert wurden,268 wobei deutsche Komposita des Typs Großstadt als äußere Induktionsfaktoren das Zusammenspiel mit inneren Systemfakto- ren ergänzten.269 Die Exozentrika blieben weiter auf die Terminologie beschränkt. Dobrovský (1799: 64) registrierte diesen Typus, lehnte dessen Erhöhung aber ab und empfahl daher z.B. veselá hra, smutná hra anstelle von veselohra, smutno-, truchlohra. Und obwohl diese Lemmata komponiert bei Jungmann lexikalisiert er- scheinen und vom Brus (18812: 230ff.) als frequentiert eingestuft wurden, traten die nachfolgenden sprachpuristischen Theoretiker des 19. und 20. Jhs. (im Brus (1877) noch toleriert, aber 18913 anstelle dobrozdání dobré zdání, anstelle malorolník malý rolník; Vorovka 1896) und die Kodifikation zunächst in die Fußstapfen Dobrovskýs.270 Vor allzu großer Verbreitung warnte Naše řeč (1924: 153;1926: 250;1927: 60), ferner die Naše úřední čeština (1923-33).271 Bečka (1938: 70) riet, Integrate wie velkoobchod(ník) (vgl. mlat. magnarius, gr. zu tolerieren, aber an- sonsten diesen Typus einzuschränken, obwohl der Usus weiter als beim S+K+S-Typ vorgriff.272 Trávníčeks (1936: 182-183) Folgerung, dass diese Komposita durch...

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