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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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7. Europäische Konvergenz 84

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84 Europäische Konvergenz 7. Europäische Konvergenz Der über die Grenzen seiner Disziplin wirkende Philosoph Josef Durdík (1837-1902) nimmt in seinen modernen sprachkulturellen Betrachtungen (Kallilogie čili o výslovnosti, 1873: 19) die Auffassung des Begriffs Europäismus und dessen funktio- nelle Bedeutung für die tschechische Wortschatzerneuerung vorweg, wie sie später im Prager Linguistenkreis zur Entfaltung kommt, indem er bauentsprechende vermeintli- che Germanismen in einen größeren europäischen Kontext einbettet und die Theorie „des guten Autors“ mehr als 50 Jahre vor Václav Ertl (1875-1929) (Časové úvahy o naší mateřštině, 1929) einführt. Damit setzt er sich als Opponent gegenüber der zeit- genössischen herrschenden Meinung der Brus-Ausgaben und den Ansichten der Naše řeč327 (ab 1917 bis Ende der 20er Jahre) um die vorletzte Jahrhundertwende ab.328 Be- zeichnend sind die klar umrissenen Integrationsfaktoren wie das Bezeichnungsbe- dürfnis („nevyhnutelně potřebné“), das fehlende heimische Äquivalent („svou vlastní náhradu“), die Akzeptabilität der häufig semasiologisch-onomasiologischen Motivie- rung („srozumitelné“, „obrat, figura neb obraz mluvy“) und sogar die ästhetische Be- trachtung wie die Euphonie („v českém znění jsou pěkné“) eines Calques: Obraty však, které shledáváme ve všech jazycích vyvinutějších, tedy zejména v německém, francouzském, anglickém, které mimo to v českém znění jsou pěkné, srozumitelné a nevyhnutelně potřebné, mají své právo; nevylučujme jich, necht’ by starší spisovatelé jich nebyli užívali. To hlavn...

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