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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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7.1. Der Austriazismus als Konvergenz- und Identifizierungsmerkmal 87

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Europäische Konvergenz 87 Identität durch eine andere unter Beibehaltung der konvergenten semantischen und strukturellen Seite. Generell regen bereits vorhandene calquierte Europäismen bzw. Internationalismen zu Reproduktionen in weiteren Kodes an („halbversteckte Interna- tionalität“),335 genauso wie adaptierte Europäismen eher Lehnwörter nach sich zie- hen.336 7.1. Der Austriazismus als Konvergenz- und Identifizierungsmerkmal Die plurizentrische Varietät des Ö.-Dt. galt in einem Ak- und Enkulturationsprozess der habsburgischen Anrainersprachen als Dreh- und Angelpunkt der Aufnahme und Abgabe von sprachlichen Erscheinungen. Sie wirkte innerhalb einer kleineren österrei- chischen und einer ihr übergeordneten größeren europäischen „Sinneseinheit als eige- ner Ku1turtypus“ (Prunč 1967: 116ff.;120).337 Innerhalb dieses austroslavischen kultu- rell-historischen Subareals338 herrschte bei Migrationsbewegungen eine intensivierte klein- und großareale Kommunikation bei einer weitgehend bilingualen Bevölkerung, deren höhere Bildung fast ausschließlich österreichischen Bildungsstätten entstamm- te.339 Diese Rolle als lingua franca des Habsburgerreiches und die damit verbundenen historischen (Konsolidierung und Entfaltung der Habsburgermonarchie (1526), Schlacht am Weißen Berg (1620), Zeitalter des Zentralismus) und sozialen Faktoren (Prestige im Berufsleben und Dominanz des Deutschen in Teilen des Militärs und der Administration, Migrationsbewegungen im Handwerk und Gewerbe, Wechselwirkun- gen in der Gastronomie) zeitigten bekannte areale Lehnwort-Konvergenzergebnisse340 in den alltagssprachlichen Konversationismen der Habsburgerlexik einschließlich des Ungarischen, die an dieser Stelle nachdrücklich von uns um den Geltungsbereich des (Semi)Calques erweitert werden müssen. Die von dieser Varietät ausgehende Strukturierung der č. Lexik341, die die kulturel- len, geistigen und sprachlichen Möglichkeiten gemäß ihrer Entelechie aufnahm,...

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