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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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7.3. Konvergenzergebnisse Latein-Deutsch-Tschechisch 95

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Konvergenzergebnisse Latein-Deutsch-Tschechisch 95 7.3. Konvergenzergebnisse Latein-Deutsch-Tschechisch Die Annahme Weingarts (1934: 31f., danach Skálas 1981: 397;1989a: 32 und Kamišs 1983: 193), dass Deutsch und Tschechisch aufgrund ihrer gemeinsamen Kontaktsphäre zur lateinischen Kultur gewisse Übereinstimmungen parallel vererbten oder unter demselben Einfluss konvergent weiterentwickelten, ist als Ausdruck gemeinsamer mit- teleuropäischer Sprachkultur unstrittig. Die deutsche Amtssprache entwickelte sich zunächst in der luxemburgischen Hofkanzlei auf lateinischer Basis innerhalb des tschechischen Sprachterritoriums und dürfte besonders innerhalb der syntaktischen und phraseologischen Sprachebene, evidente aus Sprachkontakt resultierende Konver- genzen hervorbringen. Seit Havránek (1936: 57) kursiert der Verdacht, man habe in den Kreis dt.-č. Einflüsse widerrechtlich auch die lateinischen Europäismen eingereiht. Bei unserer Untersuchung der substantivischen Lehnbildungen ergab der Abgleich mit dem Deutschen und Lateinischen, dass bei den komponierten Calques durchaus eine Differenzierung nach der Prototypsprache getroffen werden kann.351 Folgende Prob- lemfelder taten sich jedoch auf: (a) Eine Zuordnungsschwierigkeit stellen zum einen die wissenschaftlichen Bildun- gen des Mč. dar, die lat. aus dem Gr. adaptierte Ausdrücke calquieren: nosorožec gr.-lat. rhinocerus/-os gr. evtl. bildungsbilingualer Ab- gleich mit dem dt. Nashorn (b) Zum anderen sind präfigierte Bildungen des Alt- und Mč. schwieriger zuweisbar: předhoří, předhůří KlarBoh 147: Et promontorium sit przyhorzye Vel (1579): promontorium, mons prominens in mari, aut simile aliquid, předhořij/Hora aneb něco k tomu podobného/což z moře wyniká nhd. Vorgebirge mlat. promontorium, mlat. promon- tōrium, für promuntūrium, pro- mun(c)torium (zu mungere, *munctor ‚Nase‘), gr....

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