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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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9. (Post)Integrative Entwicklung 108

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108 Zwischensprachliche Allonymie mit Beybehaltung der nehmlichen Bedeutung vertauschen. Da ich mir nicht getraue hievon Beyspiele von andern anzuführen, so mag mein eigener Name hievon Zeuge seyn; den Namen Kožišek verwan- deln meine Vorältern in Pelzel, und so geschieht es noch heut zu Tage bey vielen.“ In seiner Neuen Kronik von Böhmen ... beklagt er die Eindeutschung von Toponymen und Familiennamen als Ausdruck einer Modewelle ab den 80er Jahren des 17. Jhs.417 Seit der nationalen Erneuerung entfaltete sich im Zuge der gesellschaftlichen und kulturellen Emanzipation, deren Werkzeug und Zweck zugleich die eigene Sprache war, eine bewusste allerdings schwache Gegentendenz zur Bohemisierung tatsächli- cher oder scheinbar deutscher Familiennamen. Im Besonderen wurde sie bei Künstler- namen angewandt: durch Lehnübersetzung, z.B. beim Kantor und Dichter Vojtěch Mikuláš Vejškráb/Veiskrab (Weisgrab) → Bělohrobský (1839-1869), beim Kapell- meister Bohumír Brzobohatý dt. Baldreich ( Vorname Baldrich (ahd. baldo + rīhhi));418 oder durch Lehnübertragung: dt. Pechmann,419 Oesterreicher420 - č. Smolák, Rakous; Antonín Fähnrich421 → č. Praporecký.422 Umgekehrt nahmen tschechische Künstler, die sich im deutschen Umfeld behaupten oder verkehren wollten, deutsche Familiennamen an: z.B. lautete der ursprüngliche Name des Filmregisseurs Václav Wassermann423 im Tschechischen Vodička (Dem. zum Appelativum, bel. seit 1452).424 Direkt nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte nur eine geringfügige Bohemisierung (Vachsman - Voskovec), die Ende der 30er Jahre einen rasanten Anstieg als Reflex der gesellschaftlich-historischen Umbrüche zu verzeichnen hatte und nach 1945 in eine breite Bewegung...

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