Show Less

Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

Series:

Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

9.1. Phonologische Integration 109

Extract

(Post)Integrative Entwicklung 109 Darstellung den Integrationsvorgang von Lehnwörtern, indem er auf einer Zeitachse x deren geschichtliche Entwicklung mit vier auf der y-Achse für den lexikalischen Wert maßgebenden quantitativen Gültigkeitsstufen kreuzt.430 In Anlehnung daran lässt sich auch der lexikalische Wert des (Semi)Calques anhand folgender Faktoren bestimmen: phonologische Adaptation (Kap. 9.1.), paradigmatische Beziehungen der strukturellen und syntagmatischen Eingliederung (Kap. 9.2.), diatopische Verteilung (national- regional), semantische Relationen, diachrone (lebend-veraltend), diastratische und sti- listische Integration (in mündlichen und schriftlichen Äußerungen - im Buchstil, Kap. 9.5.). Die allgemein besondere Art der lexikalischen Integration drückt sich beim Calque im Unterschied zur Adaptation in der Realisierung fremder Matrices mit überwiegend heimischen Wortbildungsmitteln aus. Reproduzierte Integrate, deren Identifizierungs- nachweis nur mittels aufwendiger extralinguistischer Faktoren ausgewiesen werden kann, haben eine sehr hohe Integrabilitätsstufe erreicht.431 Gneuss (1955: 156f.) und Betz (1974: 142) haben bezüglich der Dauerhaftigkeit und Überlegenheit eines Trans- ferenzmodus für die Lebensdauer des Lehnguts eine abnehmende Skala von den Lehnwörtern über die Lb hin zu den Lbi veranschlagt, dagegen hält Weisgerber (1955: 190) umgekehrt die Lbi als Neubildung für noch unbelastet. Sprachgeneralisierende Aussagen zur Integrierfähigkeit und postintegrativem Verbleib eines Transferenzmo- dus sind m.E. unzulässig432 und können nur an der einzelnen Entlehnung in Abhängig- keit der oben genannten und extralinguistischen Faktoren selbst vollzogen werden. 9.1. Phonologische Integration Die Calques sind, wenn man das Kriterium der autochthonen bzw. integrierten Aus- drucksseite isoliert betrachtet, im Vergleich zum Lehnwort a priori als...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.