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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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9.2.3. Doppel- bzw. Mehrfachlehnprägung 115

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(Post)Integrative Entwicklung 115 Die bisher in der Forschung als weitere kondensierende Fundierungs- bzw. Motivie- rungsart ausgegebene Univerbierung durch Komposition eines Syntagmas interpretiere ich umgekehrt expansiv als Tendenz der Multiverbierung. Es geht hier m.E. um die Auflösung von Komposita infolge sprachpflegerischen Eingriffs in den unproduktiven und von den Puristen abgelehnten S+(K)+S-Kompositionstyp (parní stroj < parostroj; parní lod’ < parolod’, č. světový názor < světonázor selt.), wofür die koexistenten Calquevarianten des letzten Belegs světozor světohled selt. neben světonázor spre- chen. Ebenso sind die vermeintlich auf Syntagmen fundierenden sog. Juxtapositionen des Typs duchaplný, mírumilovný, úctyhodný entgegen Isačenko (1958a: 145) nicht als Univerbierungen sondern als calquierte Wortbildungen zu werten (vgl. Kap. 6.8.). Die ausdrucksseitige Besonderheit der Kondensation ist der potentielle Zusammen- fall einer oder mehrerer alter Bedeutungen mit weiteren neuen. Diese werden durch dasselbe Ergebnis der wortbildenden Motivierung, der Kosemie, zusammengehalten, ohne dass diese als Bi- oder Polysemiereproduktionen mit semantischer Derivation der chronologisch späteren zur ersteren in Beziehung gesetzt werden dürfen. Dabei kann eine präintegrierende Wirkung einer bereits vorhandenen Ausdrucksseite, deren In- haltsseite eventuell zur Peripherie strebt, nicht ausgeschlossen werden (r. неслыха- нный ‛неизвестный’, heute dt. unerhört).449 ležák < ležaté piwo nhd. Lagerbier (in einer omdt. Quelle von 1469 als lagirbîr vertreten), vgl. auch slk., p. dial., os., sln. und sb.u.kr. Ač. ist ležák in den Bed. belegt 1. der Eingelagerte: Panoše řádu rytířského do ležení poslati, a ty dva ležáky...

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