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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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9.2.4. Synchrone Koexistenz bzw. diachrone Abfolge von Transferenzmodi in einem Reprodukteines Prototypen 117

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(Post)Integrative Entwicklung 117 sehr häufig gebraucht wird. Im SSJČ begegnen noch die Bed. 1. veralt. jur. Rechtsanspruch auf etw.; 2. arch. feindlicher Angriff; 3. Erbfall und 4. plötzlicher Gedanke. Wie aus den angeführten Beispielen hervorgeht, kann eine Doppel- bzw. Mehrfach- lehnprägung entweder gleichzeitig (synchron) oder zeitversetzt in verschiedenen Spra- chepochen (diachron) erfolgen. Eine erneute diachrone Lehnprägung kann aufgrund der Desintegration der ersteren stattfinden. Z.B. wurde der Begriff ‛Schleppe am Kleid’ zunächst mittels einer synonymen Lb, danach zum Zwecke der Polysemieauflösung mittels einer Lü erneut reproduziert: Č. vlečka (lat. syrma), šlep gs. auch dial. nhd. Schleppe mndt. slepe zuvor allerdings mč. vlak, ocas (Lb) im älteren Nhd. schwanz ( mhd. swanz, bzw. swenzelîn, swenzel), frz. queue, it. coda Ansonsten kann die diachrone Mehrfachlehnprägung, wie die synchrone, durch den Konkurrenzdruck zur diversifizierenden (r. трудоспособность (1873-74), работоспособность (1892)) oder negativen Integration (r. тонкошерстный (1825), тонкорунный (1847))453 führen (Kap. 9.4.). Die Instabilität von noch nicht lexikali- sierten eher akzidentellen Calques drückt sich in der Verwendung solcher Dubletten aus. Zur Zeit der terminologischen Stabilisierung der Wiedergeburtsphase hat Josef Jungmann selbst die Ansicht der redundanten Polylexikalität vertreten, wonach es zweckmäßig sei, mehrere Varianten vorzulegen (vgl. auch Kap. 11.7.). (a) am Bindevokal bzw. Kasusendung: čep-o-bití, -třesk, -raz gegenüber cžep-u-bjtj, čep-u-třesk, vgl. hier auch die Varianz des Zweitkonsti- tuenten); ohň-o-stroj gegenüber ohn-ě-stroj; svat-wečer gegenüber swa-t-owečer (b) an der Prä-, Suffigierung: brus gegenüber brousek (Deminutivvarianten); dlouhoprst’...

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