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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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9.6. Substitution und Desintegration 125

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Post)Integrative Entwicklung 125 9.6. Substitution und Desintegration Das Aussterben eines Lexems bzw. Semems lässt sich als Prozess zweier zusammen- treffender Voraussetzungen begreifen: infolge der Zersetzung der strukturellen Bezie- hung verschiebt sich das Wort an die Peripherie des lexikalischen Systems, wo es sich aufgrund dieser strukturellen Eigenschaften nicht halten kann (Destrukturierung).470 Aus den lebendigen strukturellen Beziehungen kann eigentlich nur ein solches Wort herausfallen, für welches im Sprachsystem schon ein Ersatz vorliegt, d.h. z.B. wenn eine lexikalische Differenzierung aufgehoben wird. Typisch sind hierfür drei Konstel- lationen an denen der č. Calque teilnimmt: erstens, wenn die Desintegration eines Cal- ques infolge struktureller Unzuträglichkeiten erfolgt (z.B. bei Ausnutzung eines peri- pheren oder instabilen kontaktinduzierten Wortbildungstypen); dafür sind zweitens redundante in der Erneuerungsphase mehrfach calquierte synonyme Einheiten verant- wortlich, die destrukturiert werden; drittens, wenn keine semantische Diversifizierung eintritt, ersetzt der prestigeträchtigere (indigene Ausdrucksseite) und kommunikativ wertvollere (Motiviertheit) Calque tendenziell entweder die vorhandene genuine oder nicht koordinierte als Lehnwort integrierte bzw. semicalquierte L1-Dublette (měšt’anka ats. (lat. *ludus litterarum civicus) < měšťanská škola; birgeršule nhd. Bürgerschule; vinný střik, špric(er)gs. ö.-dt. ‛Spritzer’, slk. vinný/vínový strek, špric(er) ats. und dial.: Vypil svoj špricer. (Kuk.) SSJ IV:444 ö.-dt. Spritzer, sln. špricar, špricer, auch in Sarajevo, ukr. galizisch špricer und ung. spriccer.471 Gegen die letzteren beiden Arten der Desintegration wirkte eine grundsätzliche Tendenz der Diversifizierung (vgl. Kap. 9.5.). Trotz Befolgung der Strukturregeln des L1- Kodes kann eine Aufnahme im Voraus durch die Beschaffenheit...

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