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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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10.1. Inner- und zwischensprachliche Kriterien für einen (Semi)Calque 130

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130 Identifizierungskriterien zur Lehnguterfassung von (Semi)Calques Untersuchung der Wortgeschichte in der Forschungsliteratur wiederholt werden.485 In der jüngeren Bohemistik begnügte man sich des Öfteren stellvertretend mit dem Rückgriff auf die Autorität Havránek (1936: 57;89;92) und dessen locus classicus der Musterbeispiele.486 10.1. Inner- und zwischensprachliche Kriterien für einen (Semi)Calque 10.1.1. Das soziolinguistische Kriterium Dieses Kriterium setzt einen Sprachenkontakt voraus, d.h. den Umstand, dass zwei oder mehr koexistente Sprachen in kommunikative Interaktion treten. Diese geht bekanntlich bis in die vorschriftliche Zeit zurück und ist mit einer dt.-č. Direktionali- tät mehrheitlich asymmetrisch gelagert (vgl. Kap. 5.2.). 10.1.2. Das chronologische Kriterium Das chronologische Kriterium sichert einen plausiblen zeitlichen Konnex zwischen den Lexikoneinheiten der potentiell kontagierenden L2 und der potentiell kontagierten L1. D.h. einerseits, dass eine relative Chronologie 487 des L2-Prototyps zum L1- Reprodukt durch Erstbelege evident sein muss (terminus a quo, ante quem),488 wobei wir uns der problematischen Aussagekraft einer sogenannten schriftlichen Erstbu- chung (status post quem, evtl. Lehnprägungsversuch), die von anderen außersprachli- chen Faktoren abhängig ist, v.a. in lexikographischen Werken, als eines Annähe- rungswertes voll bewusst sind. Andererseits darf diese relative Chronologie nicht ab- solut gebraucht werden, sondern muss in einer plausiblen soziolinguistischen Situation eingebunden sein. 485 Vgl. Fleckenstein (1963b: 1). 486 Als Beispiel einer zwar fundierten aber nur auf zwei innersprachlichen Identifizierungskriterien basierenden etymologischen Untersuchung kann Vykypěl (2004: 174ff.: jak dokázat kalk?) in Be- schlag genommen werden. Er bietet eine konzise Identifizierungsmethode einer potentiellen...

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