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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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10.1.3. Formale Kriterien 131

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Identifizierungskriterien zur Lehnguterfassung von (Semi)Calques 131 10.1.3. Formale Kriterien 10.1.3.1. Die Voraussetzung der morphologischen Komplexität Das Vorbildwort muss bei der Lbi und dem Semicalque, der homomorphen Lehnbe- deutung die Präsupposition der minimalen bi- oder polymorphemen Derivation erfül- len, um potentiell reproduzierbar zu sein. Daher rührt auch die typologische Überord- nung des Lehngutes bei Weinreich (19748) mit simple words bzw. compound words and phrases und bei Carstensen (1968: 36ff.), der horizontale Schnitte durch Lehnvor- gänge mit mono- und polymorphematischem Material vollzieht. Somit sind auf Wort- ebene minimal zwei lexikalische Morpheme (p. prac-o-da-w-ca dt. Arbeit-geb- er)489 oder minimal ein lexikalisches mit einem Derivationsmorphem abgeleitet.490 Den über die Wortgrenze gehenden syntagmatischen und phraseologischen Einheiten ist die polymorpheme, -lexikalische Voraussetzung inhärent. D.h. es können nicht nur gebundene und freie Morpheme, sondern auch freie und freie calquiert werden. Bei den übrigen Untertypen der Lb, der Lsch und dem Lw ist dieses Kriterium irrelevant (vgl. Tab. S. 36). 10.1.3.2. Zusatzkriterium der komplexen Morphemanordnung, der Mor- phemzahläquivalenz und der Auslagerung aus einer PE Sowohl ein zu hoher (= identischer) als auch ein zu niedriger Entsprechungsgrad (= Morphemzuordnung nicht möglich) der Morphemanordnung kann sich erschwerend auf die Identifizierung auswirken. Je länger und formal komplexer solche Morphemanordnungen in einer hypothetischen Relation des L2-Prototypen zum L1- Reprodukt sind, desto wahrscheinlicher kann ein Calque vorliegen (č. komplex méněcennosti gegenüber unmotiviertem mindrák Fj. bzw. ats. nhd. Minderwertig- keitskomplex, vgl. WB).491 Nicht alle lexikalischen und derivationell-motivierenden Einheiten müssen...

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