Show Less

Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

Series:

Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

10.1.3.3. Die Voraussetzung des Neulexems vs. das Kriterium des Neusemems 132

Extract

132 Identifizierungskriterien zur Lehnguterfassung von (Semi)Calques tung eines eventuellen Calques in einen eventuell ursprünglichen phraseologischen Kontext rekonstruiert werden muss. Bei dem Austriazismus (úřední) šiml494 ats., expr., abschätzig, scherzh. ö.-dt. Amtsschimmel (Schimmel ‛Schablone, Formular’ Simile, lat. similis) zur Herkunft im Dt. vgl. Hiersche 1988: 269-278) handelt es sich um eine Phrasemauslagerung aus rajtovat úředního šimla kolloq., expr., ab- schätzig, scherzh. ö.-dt. (Jedermann will) den Amtsschimmel reiten ‛die Dienstvorschriften über- trieben peinlich einhalten’, weitere semicalquierte Phraseme betreffen řehtání úředního šimla, slyšet řehtat úředního šimla kolloq., expr., abschätzig, scherzh. vgl. mit ö.-dt. da trabt/wiehert der Amtsschimmel bzw. man hört ihn traben/ wiehern; wiehernder Amtsschimmel; der Amtsschimmel hat ausgewiehert/ wiehert, die wohl sekundär als Charakterisierung bürokratischen Verhaltens gebildet wurden. Analog dazu slk. (byť) úradný šimeľ, ung. fam. scherz. simli. Bei Hlavinka (1902) findet sich die Variante kancelářský šiml, vgl. slk. kancelársky š. ats. expr. scherzh., die die Variante Kanz- lei-Schimmel (s.u.) reflektiert, sb.u.kr. amtsšiml.495 10.1.3.3. Die Voraussetzung des Neulexems vs. das Kriterium des Neusemems Bei einem wortbildenden (Semi)Calque darf die lexikalische Einheit zum Zeitpunkt der Entlehnung noch nicht in seiner spezifischen phonemisch-morphemischen Verbin- dung (bei einer Worteinheit mit einem neuen graphischen Lautkomplex), bei einer phraseologischen Einheit in seiner besonderen syntagmatischen Verknüpfung, Eingang in das Lexikon der betreffenden L1 gefunden haben, so dass idealiter ein sogenannter Erstbeleg496 das Kriterium der relativen Chronologie des L2-Prototypen zum L1- Reprodukt gewährleistet. Im Gegensatz dazu erfährt die Lb in einer...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.