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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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10.1.3.7. Analoge Reproduktion lexikalisch-struktureller Wortbildungsmatrices 135

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Identifizierungskriterien zur Lehnguterfassung von (Semi)Calques 135 zur Ermittlung der Direktionalität (Entlehnungsrichtung) dienen können.504 Lauffer (1976: 24) unterscheidet in diesem Zusammenhang die paradigmatische Entlehnung zwischen ganzen Wortsippen und Wortfeldern, sog. Lehnfelder. Sollte aber die Zahl der Elemente in der Wortfamilie von L1 zum Zeitpunkt der Bildung höher ausfallen als die Zahl in der potentiell prototypischen Wortfamilie L2, würde dieses Indiz in Rich- tung indigener Bildung gehen. 10.1.3.7. Analoge Reproduktion lexikalisch-struktureller Wortbildungsmatrices Aus der Rekonstruktion eines wortbildenden Sems, das sich aus der wiederholten Re- produktion semantisch äquivalenter (hano-pis - Schmäh-schrift, čisto-pis - Rein- schrift) oder ähnlicher (cesto-pis - Reise-beschreibung) lexikalischer Konstituenten erstellen lässt, können analoge Wortbildungsmuster ausgemacht werden. Diese finden paradigmatischen Eingang in das lexikalisch-strukturelle L1-System und fungieren darüber hinaus auch sprachübergreifend als Europäismen (kamenopis - gr.-lat. lithographia; generell slav. *blago-, gr. -, lat. bene-, dt. wohl-, ...; die hinzukom- mende analoge Substituierbarkeit von Derivationssuffixen müsste eigens untersucht werden, z.B. bei lat. -tia, -itas, dt. -heit, -keit und č. -ost). Aber es gilt zu bedenken, dass selbst in eigens am agr. modellierten Matrixsystem des Aksl. keine eindeutige Suffixzuweisung vorherrscht.505 Offensichtlich entsprechen sich gr.-lat., dt. und č. Konstituenten wie, z.B.: Gr.-lat. -grafia, dt. -schrift, -beschreibung, č. -pis (gr.-lat. geographia, zoographia - dt. Geographie, Erdbeschreibung, Tierbeschreibung - č. zeměpis živočichopis), ohne gr.-lat. Entsprechung bleiben dt. Reisebeschreibung, Schmähschrift und č. cestopis, hanopis; des Weiteren korrespondieren gr.-lat. - logia, dt. -forschung, -kunde und č. -sloví (gr.-lat. anthropologia, psychologia, dt. Menschenforschung, -kunde, Seelenforschung, -kunde, č. člověkosloví dušesloví). Dennoch...

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