Show Less

Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

Series:

Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

10.1.4.2. Die Voraussetzung einer identischen oder variierenden Motivierung bzw. der Remotivierung 139

Extract

Identifizierungskriterien zur Lehnguterfassung von (Semi)Calques 139 tributionscharakter von lexikalischen Bedeutungsstrukturen im Wortfeld der L1, wie die potentielle Polysemie, Homonymie, Multisemie, Synonymie, Hyponymie, Konkur- renz u.a., können Indizien für und wider eine Lehnprägung bieten. Standardsprachlich aufgenommene Bezeichnungen, die keine indigenen diastratischen Synonyme aufwei- sen, stellen den Regelfall dar. Eine interessante Beobachtung konnte auch zum Synonymiegrad der reproduzierten Einzelkonstituenten gemacht werden: Aufgrund der für das Č. aus dem Korpus beo- bachteten Tendenz, dass bei der Lehnprägung lexikalischer Konstituenten ein mög- lichst hoher Synonymiegrad zwischen den prototypischen und den reproduzierten Konstituenten bei semantischer Konstanz des Gesamtausdrucks angestrebt wird, kön- nen wir zum Beispiel für den Calque č. mrakodrap eine vermittelnde Lehnübersetzung nach dem deutschen Prototypen Wolkenkratzer mit dem englischen Archetypen sky- scraper anstelle einer unmittelbaren Lehnübertragung nach dem Altenglischen anset- zen. Dementsprechend hat sich das Č. zum Zeitpunkt der Calqueentstehung nicht der ebenfalls reproduktionserprobten Konstituente mit vergleichbarer Frequenzhöhe nebe- dt. Himmel- bedient, sondern hat zur adäquateren ebenfalls reproduktionserprobten Konstituente mrako- gegriffen.518 10.1.4.2. Die Voraussetzung einer identischen oder variierenden Motivie- rung bzw. der Remotivierung Prototyp und Reprodukt basieren auf denselben elementaren Merkmalen der Benen- nung, was durch die Übernahme der inneren Form erklärt werden kann. Die Identität der inneren Form wird aus demselben Blickwinkel, mit dem die Realität erfasst wird, durch den Zugang und die Art des Zugangs zu ein und derselben Realität bedingt.519 Der Einwand derselben Motivation bei der Referenz auf Merkmale des Denotats wur- de des Öfteren als...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.