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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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10.2.2. Metasprachliche Kriterien 147

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Identifizierungskriterien zur Lehnguterfassung von (Semi)Calques 147 parallel oder zuungunsten heimischer Gebrauchsweisen eine Frequenzsteigerung er- fahren können, ohne dass sie dabei einer semantischen Reproduktion unterliegen, die sie als Lehnbedeutung ausweisen würde (somit gegen Martins 1970: 32;134, die diese strikte Trennung zwischen Lehngebrauch und Lb nicht vollzieht). Eine nie in Gebrauch gekommene ephemer gebuchte Bildung im Sinne eines Hapax legomenon und dessen Beschränkung auf einen Autor, ein Bildungszentrum oder ein Denkmal liefern Aufschluss über einen potentiellen (Semi)Calque insofern, als mit Hilfe koreproduzierter Bildungen oder Lehnwort-Dubletten eindeutigere Prototypzu- weisungen getroffen werden können (*jízdomistr, rytmistr nhd. Rittmeister). 10.2.2. Metasprachliche Kriterien Verlässliche explizite Aussagen von Wortschöpfern, Literaten, Übersetzern oder zeit- genössischen Sprachforschern zum Prototypen bzw. Reprodukt sind brauchbare Indi- zien. Eine absolute Sicherheit wird wohl in jenen Fällen möglich sein, in denen man durch besondere Dokumente, etwa durch die Korrespondenz der einzelnen Sprach- schöpfer, die Genealogie eines Neologismus verfolgen kann.541 Nützliche Hinweise lassen sich ebenso aus zum Zeitpunkt der Entlehnung herausgegebenen Grammatiken und Wörterbüchern ableiten. Am wenigsten verbürgt, besonders in der destruktiven Ausprägung des tschechischen Purismus und daher sorgfältig zu prüfen sind die Listen von sogenannten Schleifern (č. brusiči) in ihren Sprachratgebern des 19. Jhs. Mehr- heitlich zutreffend waren deren Aussagen allerdings bei den Lehnbildungen, wie die Auswertung unseres Wörterbuchteils ergab. Typographische Zusatzkriterien542 wie Anführungszeichen, Kursivierungen, Sperrungen, Hervorhebungen, Klammerausdrü- cke, Unterstreichungen u.a. von syntaktisch nicht integrierten (Zitat-)Wörtern, Syn- tagmen...

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