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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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11.2. Altkirschenslavische Tradition 149

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Die Lehnprägung zwischen Sprachentfaltung und Sprachpurismus 149 jahre der Naše řeč (Jazykový výnos c.k. ministra kultu a vyučování in Nř 1 (1917: 14ff.); „přejaté actions calquées“ bei R. Jakobson (1932: 121)) unter der schablonen- haften Sogwirkung ihrer deutschen Artgenossen standen. Gewiss kann man die seit Jan Hus wiederholten Aufrufe zur Reinigung als Zeichen eines ständigen Ringens des Tschechischen mit dem Deutschen sehen. Das Tschechi- sche wollte seine Vollwertigkeit im Lehnwörterersatz und sich zuspitzend in der Ab- lehnung der Calques aus dem Deutschen dokumentieren.548 Bereits hier möchte ich vorwegschicken, dass das Messen mit den klassischen Sprachen (vgl. Rosa (1672: 391): „Ex hac specie nominum vides, quam Copiosa sit lingua Boëmica, ita ut nulli Linguae, nequidem Graecae cedat.“) und dem Deutschen als Matrixsprachen die Ent- faltung des Tschechischen förderten, zum einen, um die jeweilige terminologische Höhe seiner Zeit zu erlangen, zum anderen, um auch das gemeinsprachliche expressi- ve Reservoir v.a. durch das Deutsche zu bedienen. Nicht zuletzt fungierte die deutsche Metasprache als erklärendes Hilfsmittel neu eingeführter Ausdrücke (vgl. z.B. das handschriftliche Wörterbuch von J.V. Zlobický oder die Klammerangaben in den Zei- tungsartikeln von M.V. Kramerius (změnný list (veksl) ‛Wechselbrief’ Schönfeldské c.k. pražské noviny 1786) oder des Jan Nejedlý im Hlásatel český (1808-1818)).549 In der Retrospektive weise ich daher die verfestigte Betrachtung des Calques als eines Kultur- und Sprachzersetzers zurück. Die Periodisierung des tschechischen Purismus in neun Perioden nach Weingart...

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