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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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11.3. Hus-Periode 150

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150 Die Lehnprägung zwischen Sprachentfaltung und Sprachpurismus  ← gr. ; č. prorok ← gr. , ač. vina (Lb) ← gr. 1. Verschulden, Ursache, Sache, Angelegenheit, vъsemogyi (Kiev. Bl.) ← lat. omnipotens; č. zaslonitel ← lat. protector, seltener aus dem Dt. vánocě),552 und gipfel- te in den bewusst calquierten Bohemisierungen aus dem Lateinischen und Griechi- schen.553 Anfang der 60er Jahre des 14. Jhs. entstand am Hofe Karls IV.554 eine hohe Zahl an universitären Lehrbehelfen in Form von Nomenclatoren (Vokabulář (gramatický), Bohemář, Glosář) als Höhepunkt aller früheren lexikographischen und als Grundlage für die meisten nachfolgenden Werke (z.B. den Alphabetarien im 14./15. Jh.)555. Unter der Ägide von Bartoloměj z Chlumce (Magister Bohemarius Bar- tholomeus de Solencia dictus Claretus, gest. 1379) sollte hierbei der (mitunter volks- etymologische) Calque in Versform eingebunden werden: Est aquilo vodoviet (KlarGlos 529 (De aereis); bei Rešel vodovítr, (Jg V: 151: male DB 65) Lehn- gliedzusatz zu aquilo, das zu aquilus ‛wässrig’), Hlupnacz pilosus (KlarGlos 453 (De claudis monstris)), Slonczek elephantus sit, kozorozecz capricornus (KlarGlos 529 (De bestiis), oblodystap borbotus (KlarGlos 413 (De piscibus)556 Neben dem Bezeichnungsbedürfnis sollte er auch einen mnemotechnischen Zweck für die Studenten der artistischen Fakultät an der neu gegründeten Karls-Universität erfül- len (Masculus est samecz, alienigena czyzozemecz, Klar Glos 924 (De homine)). 11.3. Hus-Periode Als erster tschechischer Gelegenheitspurist kritisierte der Reformator Jan Hus (1371- 1415) aus der Praxis des Predigers und eines talentierten Redners, der um Verständ- lichkeit bemüht ist, die tschechische Stadtsprache...

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