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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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11.4. Humanistische und jesuitische Periode 151

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Die Lehnprägung zwischen Sprachentfaltung und Sprachpurismus 151 „... kniežata, páni, rytieři, vládyky, měšťané ...mají se postaviti, aby česká řeč nehynula; pojme-li Čech Němkyni, aby děti ihned sě česky učily a nedvojily řeči; neb řeči dvojenie jest hotové záviděnie, roztrženie, popuzenie a svár. Protož sv. paměti Karel ciesař, král český, přikázal jest byl Pražanóm, aby děti své česky učili a na radném domu, jemuž německy řiekají rothaus, aby česky mluvili a žalovali.“ Die hiesige Empfehlung beim Dublettenpaar radní dům - rathauz (radnice (Vel) < radní dům (lat. basilica, curia, praetorium), rathaus, rathauz mhd. rāthūs) zu- gunsten der calquierten Variante zeigt, dass im Hinblick auf einen calquierten Germa- nismus keine Vorbehalte gegenüber dem Deutschen bestehen. Und dies wird, das sei hier vorweggenommen, bis zum Abwehrreflex im puristischen Wellenhoch des späten 19. Jhs. auch nicht der Fall sein. Erst da scheute man sich nicht mehr, tatsächliche Calques oder vermeintlich calquierte heimische Bauentsprechungen zu beseitigen. Anhand der gut bearbeiteten tschechischen Grammatographie lässt sich zum Beispiel gut verfolgen, dass der griechische, lateinische bzw. spärlich auftretende deutsche Calque (časoslovo (Rosa, Doležal), mezisloví Doležal), samohláska (Krátká pravidla k latinské ržeči, 1764)) in der tschechischen grammatischen Terminologie keinen pu- ristischen Ansichten ausgesetzt war (vgl. die bereits 1533 in der Náměštská mluvnice akzeptierten Calques von Klaret slovočtena -...

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