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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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11.5. Barock-Periode 154

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154 Die Lehnprägung zwischen Sprachentfaltung und Sprachpurismus Eine eigene dritte Stufe in der Geschichte des tschechischen Purismus nach der offe- nen Goldenen Zeit bilden die jesuitischen Gelehrten, die allerdings nicht gegen lateini- sche und deutsche Lehnwortintegrate einschreiten und damit umso weniger gegen Calques. Entsprechend akzeptiert der erste sogenannte Brus,570 Lima linguae bohemicae - To jest brus jazyka českého (1667) des Altboleslauer Priesters Jiří Konstanc (Konstancius) bereits integrierte Lehnwörter bzw. die Adaptierung von Lati- nismen mit tschechischer Endung (kontemplací, moderovati), wenn auch v.a. in den Fachsprachen, vorsichtiger als bei Blahoslav formuliert: „neostey//cheyme se některých německých slow giž w zwyk vwedených vžjwati/ za které nám giných Cžeských a wlastnjch wykázati nelze: gako fortel/ rynk/ šanugi/ slumůgi/ taljř/ wandrugi (KonstBrus 50-51).“ Er spricht sich aber in Hussens Sinne dafür aus, einem tschechischen Ausdruck (z.B. radní dům, vozataj, zástěra, ubrusec) bei koexistierenden deutschen Varianten (z.B. rathauz, forman, šorc, tištuch) den Vortritt zu geben. Zudem rät er zur mäßigen („vše šetrně a střídmě vymejšleti, jmenovitě pak jedno ze dvouch dělati“) Bildung von Kom- posita zugunsten einer lexikalischen Bereicherung durch Derivation (č. myslopatření - lat. contemplatio, nemocnice - infirmaria, mravopočetnost - modestia), ein Grundsatz, der 100 Jahre später dank Josef Dobrovský genauso wie die Theorie zu den Lehnwort- integraten sprachwissenschaftliche Anerkennung findet, wobei er nicht in Opposition zu den zeitgenössischen barocken Puristen zu stellen ist....

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