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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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11.7. Jungmann-Periode 161

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Die Lehnprägung zwischen Sprachentfaltung und Sprachpurismus 161 In diesem Zusammenhang moniert Dobrowsky (1779: 328) in der Rezension des Lehrbuchs Uwedenj k Latinské Ržeči k užjwánj študyrugicý mládeže (1779), dass der Übersetzer es wagte, die technischen, in der Grammatik üblichen Kunstwörter zu übersetzen, und dabei ins Lächerliche fiel: Náznatek, Ohýbatelka, Proházka, Oučastonce, Přýslowce, Zastawance, Aučastonce. Ferner kritisiert Dobrovský (1780: 108) Schimek, wobei die folgende Bildung eig. auf Pohls Slownář (1756, wlasoprášek bereits bei Kropf 1753) zurückgeht: „Wlasoprach, Haarpuder, pulvis cyprius - Pudr ist schon angenommen. Und wenn ich den Haarpuder gerade Böhmisch nennen müßte, so würde ich mich lieber einer Umschreibung bedienen und sagen: bjlý Prach, Prach na Wlasy, oder nur prach na wlasy.“ Zuweilen kritisiert Dobrovský auch deutsche bzw. lateinische Calques, die sich bis heute durchsetzen konnten, wie lučawka, Scheidewasser, aqua fortis, regia (Dobrovský 1780: 102), příslovce lat. oder událost (vgl. S. 184) dt. Im Rahmen seiner prakti- schen Tätigkeit versieht er in einer Revision über ein Wörterverzeichnis Schimeks zum Krátký weytah (1778) calquierte Neologismen mit den wertenden Zusätzen Deutschböhmisch (lidomilý, leutselig, humanus (1780: 102)) oder nach dem Deutschen neu geschmiedet (Nizokragina, Niederland, belgium); zu ‚bratrowražděnj, Bruder- mord, fratricidium‘ (1780: 94) bemerkt er: „Ist nicht gut Böhmisch, sondern Deutsch-böhmisch. Wer hat es denn zum Gesetze gemacht, daß es die Böhmen den Deutschen in ihren Zusammensetzungen der W...

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