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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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11.8. Aggressiver Purismus der 70er bis 90er Jahre 166

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166 Die Lehnprägung zwischen Sprachentfaltung und Sprachpurismus 11.8. Aggressiver Purismus der 70er bis 90er Jahre621 Die siebte Periode umfasst traditionell die Zeit der letzten drei Dekaden bis auf Ge- bauer (1894) und ist die eigentliche Wirkungszeit der tschechischen brusiči, die sich in einem zur Nation emporgehobenen verstärkt prestigepuristischen Klima von der Ab- hängigkeit von der deutschen Kultur emanzipieren wollten. Das Losungswort odrakouštění für den Kampf mit dem österreichisch-deutschen Nationalismus bezog sich auch auf die Sprache. Bis zu dieser Zeit waren Puristen bereit, Calques aus der- selben Quelle, für die Lehnwörter als unakzeptabel angesehen wurden, zu tolerieren. In dieser Zeit entstehen Calques nicht wie in der Jungmannschen Schule aus einem Abwehrreflex heraus, sondern werden aufgrund dieses Abwehrreflexes bekämpft.622 Schon 1830 hatte sich die Kommission des Stiftungsfonds Matice česká zum Ziel ge- setzt, dem verderblichen Neologisieren und Purifizieren Einhalt zu gebieten, indem mit der Herausgabe eines Wörterbuches mögliche fremde Elemente in der tschechi- schen Schriftsprache durch historisch belegte Ausdrucksmittel nach dem Vorbild von Jiří Konstanc aus dem Jahre (1667) ersetzt werden sollten (Brus jazyka českého 1877;18812;18943). Aber erst ab den sechziger Jahren bahnte sich der Kampf an, der in den Siebzigern systematisch aufgenommen wurde. Prinzipiell wurde ein Rückgriff auf die Sprachrichtigkeit bis Comenius und die Sprache des einfachen „tschechoslavischen Volkes“ sowie Anleihen aus anderen Slavinen propagiert,623 wobei eine pathologische Angst vor Germanismen (furor teutonicus bei Hlavinka 1902: 3) Einzug hielt. Partielle Impulse bis hin zur...

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