Show Less

Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

Series:

Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

11.11. Polemischer Exkurs: Locus horribilis des übersetzten Deutsch 172

Extract

172 Die Lehnprägung zwischen Sprachentfaltung und Sprachpurismus fahren bei Josef Holeček und č. přehnaný dt. übertrieben bei Alois Jirásek).644 Dennoch stellte er folgende antipuristischen Überlegungen an. Europäismen könnten nach vorsichtiger Prüfung geduldet werden, auch wenn Belege aus dem Mč. fehlen.645 Er teilt die antipuristische Haltung von Ertl und Zubatý, wonach vermeintliche Ger- manismen rehabilitiert werden müssten. Keine Rehabilitierung spricht er Archaismen zu, wenn eingebürgerte Calques vorliegen.646 Sein Kriterium der anzustrebenden Aus- drucksgenauigkeit oder des Sprachgefühls weist er bei der Bewertung von Calques selbst als unsicher zurück. Schließlich ist er sich wohl bewusst, dass man auf Calques, die durch heimische Wörter nicht ersetzbar sind, nicht verzichten kann (č. nápadný dt. auffällig). 11.11. Polemischer Exkurs: Locus horribilis des übersetzten Deutsch Auf den lexikalischen und phraseologischen Bereich um die vorletzte Jahrhundert- wende bezieht sich der zum locus horribilis für die Bohemistik hochstilisierte Aus- spruch des polnischen Slavisten Alexander Brückner (1856-1939) (19253: 283f.), der sich wie ein roter Faden durch den Diskurs bis in die 60er Jahre des 20. Jhs. zieht (vgl. Meillet (RES I 1921: 13), Kiparski (1933-34: 1), Beneš 1967: 99, Trost 1969), wonach sich ein Leser der zeitgenössischen tschechischen Tagespresse zum eigenen Verständ- nis nicht der verwandten Slavinen, sondern der Rückübersetzung ins Deutsche bedie- nen müsse: „Czytając dzisiejszą nawet czeszczyznę, dziennikarską szczególniej, tłumaczysz sobie jej zwroty napowrót na niemieckie, abyś zrozumiał, o co właściwie...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.