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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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5. Alphabetischer Materialteil 195

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Alphabetischer Materialteil 195 sln. slovenisch sp. spanisch spätlat. spätlateinisch spätmhd. spätmittelhochdeutsch ssl. südslavisch türk. türkisch ukr. ukrainisch ung. ungarisch ursl. urslavisch vlat. vulgärlateinisch wien. wienerisch wr. weißrussisch wsl. westslavisch wslk. westslovakisch 5. Alphabetischer Materialteil A andělíčkářka (bába ~) gs. (nutrix infantem male saturans) nhd. Engelmacherin, (Engelsmutter (Meyer)) oder eine dial. Vertretung Innerhalb der Slavinen ist neben dem Č. und Slk. das P. ähnlich motiviert, das Ung. calquiert beide Bed., das Bengl., Nl. und Frz. weisen jeweils eine parallele Motivierung auf. Dt.Etym.: Seit dem frühen 19. Jh. nhd. Bezeichnung für eine Frau, die kleine und insbesondere uneheliche Pflegekinder absichtlich sterben ließ (zu Engeln machte), um sich an einer einmaligen Abfindung zu bereichern (z. B. indem sie sie in Schweiß bringt und dann der Zugluft aussetzt). Dieses schändliche Gewerbe florierte insbesondere in Großstädten, als uneheliche berufstätige Mütter des sozialen Schutzes entbehrten, und die Engelmacherinnen strafrechtlich kaum zu fassen waren. Daher bedurfte die Annahme von Kostkindern gegen Bezahlung in einzelnen Bundesstaaten der polizeilichen Genehmigung (Meyer). Ab 1920 (Küpper) wurde so ugs. verhüllend eine Frau bezeichnet, die illegal gewerbsmäßig Abtreibungen vornahm. Engelmacherinnen waren oft gleichzeitig Hebammen, Heilerinnen o.ä. und arbeiteten unter hygienisch prekären Bedingungen, so dass der Eingriff vielfach zu Komplikationen, Unfruchtbarkeit oder gar Tod der Patientin führte. Der Ausdruck wird im DRWB der Gaunersprache zugeordnet, laut Wolf (1956) gehört er nicht dem Rotwelsch an und wird bei Seebauer (1981)...

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