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Psychoanalyse und Freiheit

Susann Heenen-Wolff

In diesem Band wird auf zentrale Konzepte Freuds zurück verwiesen, die in der zeitgenössischen Psychoanalyse zunehmend in den Hintergrund geraten sind. Die Autorin arbeitet diesen Paradigmenwechsel heraus, geht aber auch auf den unverzichtbaren und bleibenden Wert der Freudschen Metapsychologie ein. «Penisneid» und «Todestrieb» werden in ihrer Relevanz für die alltägliche Praxis deutlich gemacht, das spezifische analytische Zuhören, die Geschwisterbeziehung metapsychologisch verortet. Vor dem Hintergrund klinischer gruppenanalytischer Erfahrungen werden Überlegungen zu «Identität und Antisemitismus» angestellt. Zahlreiche Fallbeispiele verbinden die metapsychologischen Theorien mit der klinischen Erfahrung.

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Zum Geleit 7

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7 Zum Geleit Die allgemeine Tendenz zum Soziozentrismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhun- derts hat auch die psychoanalytische Theorie und Praxis entscheidend verändert: Wir sehen eine breite Strömung in der zeitgenössischen Psychoanalyse, die das Subjekt nicht wie Freud als Ensemble von unbewußten Phantasien und libidinösen Wünschen betrachtet, sondern in erster Linie als Produkt von (früher) Interaktion, insbesondere des Austauschs des Säuglings mit der Mutter bzw. deren Substitut. Die Arbeiten von Ferenczi, M. Klein, Fairbairn, Winnicott, Bion und vielen anderen haben das Verständnis für die überragende Bedeutung präödipaler Erfahrungen im Subjektivie- rungsprozeß ganz entscheidend erweitert, und dieser Zugewinn beim Verständnis des menschlichen Entwicklung kann nur begrüßt werden. Im Rahmen dieses erweiterten Blickwinkels trat der Blick auf die ökonomische Or- ganisation des Subjekts, seine Triebstruktur, die autoerotische Wirklichkeit, ja des Se- xuellen überhaupt zunehmend in den Hintergrund. Konzepte wie das von Todestrieb oder Penisneid, die im vorliegenden Band wieder aufgegriffen werden, spielen in vie- len neueren psychoanalytischen Theorien zur Konstituierung des Subjekts keine Rolle mehr. Dies ist um so bedauerlicher, als sich die unterschiedlichen Ansätze nicht ge- genseitig widersprechen oder ausschließen. Dies möchte ich mit meinem Verständnis psychoanalytischer Konzepte verdeutlichen und dabei gleichzeitig dem Sexuellen wie- der den ihm gebührenden Platz im psychoanalytischen Verständnis des Menschen ein- räumen, ohne freilich auf die neueren Erkenntnisse und Sichtweisen zur Subjektwer- dung zu verzichten. Es geht also nicht um eine bloße...

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